8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Er war der Auschwitz-Häftling Nr. 62944
Kazimierz Orlowski ist tot« Ein Nachruf von Michael Schulte
Das bundesweite Projekt„Aktive Solidarität-Orthopädische Operationen für NS— Opfer aus Osteuropa“, das 2002 ins Leben gerufen wurde, um ehemaligen Zwangsar- beitern sowie Uberlebenden von Konzentrationslagern unentgeltliche medizinische Behandlungen zu gewährleisten, wurde in unserem Mitteilungsblatt Heft 1, August 2008, vorgestellt. In rund 80 beteiligten Kliniken in Deutschland und Osterreich wur- de seitdem mehrere hundert Frauen und Männer- größtenteils aus Polen, aber auch aus der Ukraine und Weißrussland—, die unter Verschleißerkrankungen leiden, kostenlos operiert. Informationen im Internet unter„www. aktive-solidaritaet.de“. Nachdem uns Dr. Michael Schulte, Chefarzt der Orthopädischen Abteilung des Diakoniekrankenhauses Rotenburg(Wümme), damals über das Schicksal seiner Patientin Elzbieta Chylinska berichtet hat, gedenkt er in dem folgenden Beitrag
Kazimier? Orlowski, Uberlebender mehrerer deutscher Konzentrationslager.
Am 14. Januar dieses Jahres starb in Stettin im Alter von 88 Jahren Kazimierz Orlowski. Herr Orlowski hatte im August 2004 im Diakonie- krankenhaus Rotenburg ein neues Hüftgelenk erhalten. Seit dieser Zeit war er unserem Krankenhaus sehr ver- bunden, es bestand ein regelmäßiger Briefkontakt mit den behandelnden Arzten und mehrfach war Kazimierz Orlowski noch in Deutschland zu Be- such, intensive Begegnungen mit ihm gab es in Bergen-Belsen und in Stettin.
Kazimier? Orlowski war Uberle- bender von mehreren deutschen Kon- zentrationslagern. Befreit wurde er im April 1945 in Bergen-Belsen. Dort fand er seine ebenfalls nach Bergen- Belsen deportierte spätere Frau wie- der. Als„Displaced Persons“(DP) kehrten sie erst 1947 in ihr Heimatland zurück. Antonia Orlowski starb 2007, ihren Tod hat Kazimierz kaum ver- winden können.„Wie weiterleben?“ schrieb er damals in einem Brief.
Für Kazimierz Orlowski war es zeit- lebens ein elementares Anliegen, dass die Geschehnisse während der Nazi-
diktatur nicht in Vergessenheit geraten, gleichzeitig trat er konsequent für die Võlkerverständigung ein. Unermüd- lich nahm er bis zuletzt aktiv an den Gedenkveranstaltungen anlässlich der Jahrestage der Befreiung von Bergen- Belsen und Auschwitz teil, berichtete über seine Erfahrungen vor Schulklas- sen in Deutschland und stellte Infor- mationsmaterial zur Verfügung.
Der Tod von Kazimierz Orlowski hat diejenigen, die ihn kannten, tief betroffen gemacht. Wir haben einen guten Freund verloren, dessen Wesen durch Bescheidenheit, Humor und Menschlichkeit geprägt war. Uns ist aber auch einmal mehr bewusst ge- worden, dass der Nachwelt immer we- niger Menschen verbleiben, die über die in der NS-Zeit von Deutschen ver- übten Verbrechen Zeugnis ablegen können.* Es ist an uns, das Anliegen von Kazimier? Orlowski in seinem Sinne weiter zu vertreten.
* Als diesem Gyrund ist auf den folgenden Seiten ein Nachdruck aus den Peiner Wach- richten aus dem Jahr 2006 zu lesen.


