18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
gestaltet sich für die Lehrerschaft oft Schwer. Die Bildungspläne der Länder lassen hierfür viel Zu wenig Spielraum. Wir stehen allerdings nicht lediglich vor dem Problem, dass Schülern im Ge- Schichtsunterricht sehr viel Fakten- und Tahlenwissen abverlangt und somit auch zeitintensiv vermittelt werden muss. Wir sind gleichzeitig auch einer Medienwelt ausgesetzt, die keinesfalls Jugendliche als potenzielle Adressaten angemessener Heranführung an die Geschichte als lohnenswert betrachtet. Auf oft trivialste Weise wird die Sensa- tionsgier der Leser, Hörer Zuschauer bedient. Wahrheitsverzerrung, scho— ckierende, schreckliche Bilder von Ver- brechen, Kriegen und Attentaten„be- rieseln“ uns alle tagtäglich. Verbrechen, die in unmittelbarer Nähe heute ge-
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Schehen, erschüttern nicht sehr, sie pras- Seln ab, denn„wir sind es ja gewohnt“.
Was setze ich also entgegen? Ich gebe der Geschichte des Lagers Ausch- wit? menschliche Gestalt. Ich berichte von konkreten Personen und nicht von trockenen Daten.
Meinem Gedenkfilm geht eine in- tensive Vorbereitungsphase voraus, in dem der Lageralltag der Häftlinge im Vordergrund steht, Grundinformatio- nen vermittelt werden, die spãter die Aufnahme der Wahrnehmungen und Informationen im FHilm erleichtern. Bil- der, Vorstellungen entstehen anfangs al- So ein?zig über das Gehör. Mein Ziel: den Blick, das Gespür für menschliche Schicksale erõffnen. Nicht nur den Ver- stand, sondern auch das Herz berühren. Ich beginne zu erzählen, was Stas?zek Hant? erlebte. Die Ankunft im Lager- Erniedrigung in höch- Stem Maße. Er war im selben Al- ter wie meine Zuhörer. Die Schüler werden hellhörig. „Nackt, vor Hunderten anderer? Uberall, am ganzen Körper?“ Die ungeheure Uberschreitung der Schamgrenzen, die Vorstel- lung des Auslöschens von Pri- vatsphäre bedrückt. Verpflegung: Was macht Hunger mit einem Menschen? Wie viel Aggression kann ein Finzelner ertragen? Wie kann man seine eigene Wür- de unter so un-menschlichen Be- dingungen erhalten?
Der Erfahrungswelt Jugend-— licher sind Gefühle wie Angst und Verzweiflung nicht fremd. Prniedrigung, Gewalt- und Un- rechtserfahrungen verbinden das Heute und die Vergangenheit machen nicht nur betroffen, son- dern sind als Chance zu betrach-


