Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9
Zofia Posmys? Piasecka Pine Begegnung, die Spuren hinterließ Von Claudia Simon
Bevor man sich man sich mit der Ge- Schichte Zofias beschäftigt, muss man sie Sich vorstellen können. Zofia Posmys?, eine 85-jährige, schr gepflegte Dame, mit besonderer Eleganz und Würde in ihrem Auftreten und ihren Gesten, erzählt ihre Geschichte beinahe mehr mit ihren wa- chen, warmen Augen. Denn obwohl wir sie erst nach der Ubersetzung der Dolmetscherin genau ver- stehen, ist uns im Herzen im Grunde wãhrend ihrer Schilderung schon klar, was sie damals bewegte. Wir sehen in ihren Augen keinen Zorn, keine Wut. Doch wir können, wenn wir ihrer Mimik folgen, mit-verzweifeln, mit-erle- ben, mit-leiden, nachvollziehen.
Und- wir können die kleinen Fun- ken Hoffnung- die Momente der in die Zukunft gerichteten winzigen Zuver- sicht erahnen- den gan? tief im Inneren wohnenden Drang, das Recht der Würde des Menschen nicht loszulas- sen- Werte, die einen Häftling in der Hölle Auschwitz„am-Leben-festhal- ten“ ließen.
18. Juni 2008. Wir sitzen in der Bi- bliothek der Internationalen Jugendbe- gegnungsstätte(IIB8) in kleiner,- und ohne Ubertreibung- harmonischer Runde. Zofia beginnt zu erzählen.
Im April 1042 wurde sie in Krakau gemeinsam mit anderen Klassen-Kolle- ginnen einer Untergrund-Schule von der Gestapo verhaftet, weil sie Flugblãät-
Claudia Simon
ter verteilt hatte. Im Gefängnis in der Pomorski-Straße wurde sie mehreren Verhören unter?ogen und schließlich zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Nach Sechs Wochen- am 30. Mai 1942 wurde Sie nach Auschwit? deportiert. Sie er— hielt dort die Häftlingsnummer 7566.
Zofia schildert ihre Ankunft im zwei Monate zuvor eingerichteten Be- reich für Frauen im Stammlager. Da die Ver- höre in Krakau wirklich schrecklich für sie waren, hatte sie sich auf das La- ger Auschwitz gefreut- „Uber Alischwitz wlissle man damals nicht v0 viel.“ Als sie das Tor mit der Uberschrift„Arbeit macht frei“ gesehen hatte, dachte sie Sich, dass es eigentlich gut ist,„dann werde ich eines Tages frei sein“.
Der„Alltag Auschwit?“ begann und hatte sie schnell davon überzeugt, „welches Ende diese Arheit eigentlich hat dass vie die Menschen dort im Lager Zu Orlinde richtet.“ Sie wurde zu harter Arbeit im Wasser- und im Landwirt- Schaftskommando eingesetzt. Die Frauen waren von Flõhen und Läusen gepeinigt, litten an großem Hunger und unter Schlafmangel. Morgens um halb vier wurden sie geweckt, um sich zum Appell vorzubereiten. Schnell waren die Frauen am Ende ihrer Kräfte.
Nach drei Wochen floh eine der Frau- en- Kollektivstrafen waren damals üb- lich-Zofia wusste, dass im Männerlager normalerweise jeder 10. des Arbeits-


