Heft 
(2009) 2/2009. Dezember 2009
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25

fessionBibelfor-

Scher angegeben ist.

Sehr gut werden Schicksale von Frau en herausgearbeitet, die als besonders mo- ralisch stark und hilfsbereit gegenüber Mithäftlingen geschil- dert werden. Schon im ersten Frauen-

Männlicher Häftling mit unbekannten Personalien(Nr. 190278 IBV) eingeliefert ins Lager mit dem Evakuicrungstrunsport

aus dem Kl. Lublin am 28.7.1942.

Bautze, Frieda(Nr. 8358 1BV), eingeliefer ins Lager am 2.7.1942. später überstellt ins Kl. Bergen-Belsen.

transport aus dem Kl. Ravensbrück am 26. März 1942 waren mehrere weibliche Bibelforscher ver- treten. Dort tauchen Zum ersten mal in Auschwit? die Lilawinkel zusammen mit der AbkürzungIBV(Internatio- nale Bibe forscher-Vereinigung) auf. Da die Zeugen Jehovas ihre Haft als von Gott geduldete Glaubensprü- fung ansahen, führten sie Befehle ge- wissenhaft aus und schlossen sich im Lager weder gewalttätigen Wider- Standsbewegungen an, noch verließen sie den ihnen zugeteilten Arbeitsplatz. Deshalb gibt es in dem Buch um- fangreiche Beschreibungen des Fin- satzes von Bibelforscherinnen, die in den Haushalten der SS-Obersturm- führer und sogar im Haushalt des LKa- gerkommandanten Rudolf Höss ar- beiteten und die sich auf dem Lager- gelände frei bewegen konnten. Dabei waren sie wohl gewaltfrei, aber teil- weise unfreiwillig ein Teil des Wider- Standes, da über sie quer durch das La- ger Informationen ausgetauscht wer- den konnten. Die Erlebnisse der Zeu gen Jehovas auf ihren Märschen quer durch das Lager bis hin zum SS-Pin- kaufsladen werden gut beschrieben, und man erfährt Zum Beispiel Details aus dem Leben der SS-Familien. BVHäftlinge waren sogar in dem Hotel der Waffen-SS und der Kantine

der SS tätig. Ihre Bewegungsfreiheit nutzten sie allerdings, um illegale Wachtturm-Schriften zu erhalten und diese innerhalb des Lagers weiter zu geben. Dies machte sie in den Augen der S8 verdächtig und wer dabei er tappt wurde, kam zur Strafe in den Bunker oder in eine Stehzelle.

Mehrfach wird im Buch auf die Tatsache hingewiesen, dass Zeugen N- hovas im Lager die Möglichkeit hat- ten, schriftlich ihren Glauben als Irr- lehre darzustellen und das Naziregime anzuerkennen, um dann freigelassen zu werden. In einigen Frinnerungsbe- richten wird betont, dass jedoch keine Fälle von Unterschriftleistungen be- kannt geworden sind.

Das Buch ist eine gute Informati- onserweiterung zu der eingangs er wähnten DVD und zeigt eindrucks- voll, wie die Zeugen Jehovas mit großen Geschlossenheit und Unbeug- Samkeit den Nazis widerstanden.

Diethardt Stamm

Teresa Wontor-Cichy. Für den Glau- ben in Haft. Zeugen Jehovas im KI. Auschwitz. ISBN 83-60210-233. Staat- liches Museum Auschwitz-Birkenau, Oswiecim. Sammelbestellungen nimmt die Lagergemeinschaſt entgegen.