22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
haren, gliten, mluligen Menschen, die uns inter den verz weifelten Bedingungen des Lagem halfen. Auch sie wuren Schließlich Nftlinge und mussten stũndig mit dem eigenen Jod rechnen. Ehenso wie die Menschen jenseits des Stacheldrahtzau- nes die unter Finsatz ihres Lebens Medi- Kamente ins Lager Schmuiggelten. Und ehenso wie die Häftlinge, die unter Pin- Sl? ihres Lebens die Anweisungen und Ralchläge der Häftlingsärzte weiterga- hen ind so0 manches Leben rette— ten. ¶Kacz)nsMa, in. PiechomsMi, S 160 †) „Minger Un- voytellbarer Muin- gen Nichts Konnte mich von diesem einen, dem Hungen hefreien, Die tãgli- chen Verpflegungs- zuleilungen wuren zu Klein, um über- leben zu Können, hesonders, wenn man die mörderi Sche Arbeit und die Verltmnisse herick- Sichtigt, in denen vich die Hiftlinge hier hefunden. Hinzu Kam, dass wir nicht nur von den Kapos ind Blockltesten bestoh- len wurden, Ssonder auch von der gunzen Meute der Büttel der Lagerverwultung. Votadem waren die Rationen zu groß, als dass vie den vofortigen Jod verursacht hätten. Der Hunger hermchte also ühert all Ich hatte noch nie so lange unter die- vem Gefiihl gelitten. All meine Gedanken ind Bemiihungen zielten nur darauf ah, dieses urgewaltige Verlangen zu stillen. Und in dieser Zeit Schwund mein Köper dahin. Er wurde von Jag zu Jag wenigen Irgendwie Relen das Gewebe uind seine Hastizitdt von meinen Knochen, wäh- rend der Magen am Rückgrat festtrocl- nele. Jeder Häftling verfiel ingendwunn in den Zustund eines Muselmanns und sah dann Schon wie ein Greis alus- der Kopf Zwischen den Schultern, eine Spitz her-
Kazimierz Piechowski
volechende Nase und die herkunter- Schlotternde, dreckige Häftlingskiuft. S0 hefund er vich im Vorhof des Jodes. Am Schlimmsten und am Schnellsten gerieten in diesen Vorhofdes Jodes jene Häftlinge, die draußen, nter freiem Himmel arbei- ten muissten.(Ziolkosi, in. PiechowsMi, § 373 †)
Was sagen geschriebene Sätze ge- genüber gesprochenen Sätzen? Welche Bilder entstehen, wenn sich durch Lesen von Texten oder durch Vortrãge und Berichte Vorstellungen bilden? Wer je erlebt hat, wie etwa Jugendliche das aufnehmen, was ihnen im Zeitzeu- gengespräch zu Ohren und vor Augen kommt, weiß um die überzeugende Wirkung der persönlich glaubwürdig vorgetragenen Brinnerungen. Wohl auch deswegen haben alle Autoren, s0 weit möglich, als Zeugen ihrer Zeit vor Schülern und auch vor Besuchergrup- pen in Auschwit? gesprochen.
Uns, den Nachgeborenen, vermitteln sie das Leben und den Tod der Men- schen, die Auschwitz erlitten haben. Sie bewahren, was in der Frinnerung und in Dokumenten aufgehoben ist. Tadeus? Sobolewic? fragt in seinem Zeitzeugen- gespräch, ob die jungen Zuhörer „hören“ wollten, was er erlebt hat. Jeder Leser mag sich dieselbe Frage stellen: Ist er bereit zu vernehmen, was Auschwitz war und ist?
Fs sind Jexte von einer gebrochenen Jugend, von einem jäh zerstörten Leben, einem viel zu frühen Tod, aber auch von Hilfe, Mut, von gelungenen Fluchten, von denen eine der spektakulärsten Piechowski gelungen ist(S. 78-118), von Widerstand und Kämpfen, die Hoff— nung machten. Sie ergänzen und vertie- fen unsere Vorstellungen. Sie erweitern das, was beispielhaft Kazimier? Albin, Tadeus? Sobolewicz, Wieslaw Kielar ge- Schrie ben haben(Wir berichteten mehr-


