20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Jacken aus„Die Hemden anbehalten!“ hefahl der Kapo.„HMosen und Unter- hosen ausziehen!““ Die zwanzig leben- den menschlichen SMelette standen Schamlos enthlößt in ihren zu Kurzen Hemden vor dem zufriedenen Peut- Schen.„Und jetzt an die Arbeit!“ Sie er⸗ griſfen die Jragen. Die nackten Fiße fin- gen an zlu trumpeln. Die mageren Beine ragten Komisch und höhnisch aus den Schweißgetränkten, Schmutzigen Hem- den heralus. Die enthlößten Genitulien der Zigeuner lõsten bei den Kapos allge- meine Heitericeit aus.. Zum Kapo ge— Sellten Sich zwei— weitere Kapos. Zu dritt postierten vie Sich entlang des Weges, auf dem die Zigelmner liefen. Von Sudistischer Fröh— ſichkeit gepachkt, Schlugen sie mit iinren Knüppeln auf Sie ein.„Siehst Di, das sind meine Rennpferde, meine Neger“, rief Willi einem veiner Kumpane zu. Nach Kurzer Zeit machten auf dem Weg nur noch nelm, dann acht die Run- de Das Arbeitstempo ließ nicht nach.. Und dass neben dem hoch auſgeschich— teten Stapel der Grassoden still die Lei- chen von vier Zigeunern mit zerschla— genen, blutüberstrémten Köpfen und vielleicht mit gebrochenen Armen lagen, das Spielte Keine Rolle. Das hatte Keine Bedeutung.(Kowulcz)M, S 280-262)
August Kowalczyk
Ereignisse, Farben, Gerüche, die man bis ans Ende seiner Tage nicht vergisst
August Kowalczyk gibt seinem Sta- cheldraht-Refrain den Untertitel Fine wahre Vrilogie, an der er fünfzig Jahre lang geschrieben hat.„Sie Kehrt zuriick wie ein Refrain, jene Zeit Und so wird es
hleiben his zlum Schluss.. Dds Erwachse- nenalter enchien inmitten tũglich nel Zu treffender Entscheidungen, und fast jede wur eine Allernative ⁊wischen Leben und od“, sagt der bei seiner„Einlieferung“ nach Auschwit? 19 Jahre alte Autor. Sei- nem Sohn, der ihn zweifelnd fragte, nachdem er das Manuskript des Buches zu lesen begonnen hatte, ob sein Vater sich tatsächlich an Dialoge vor fünf?Zig Jahren erinnere, antwortet er., Es gibt im Lehen Preignisse, Harben und Geriche, die man bis ans Ende seiner Jage nicht veygisst. Und Dir Kann ich nur winschen, dass Dii solche wie die meinen nie Ken- nen lernen winst.“. Die Iexte haben den Charakter einer musikalischen Kompo- Sition, in der die mit allen Sinnen aufge- nommenen Findrücke verarbeitet wer- den. In vielgestaltiger Variation klingt ein Motiv an: der Jod, gegen den sich das Leben und die Liebe zu behaupten su- chen.
„P Flimmt, Auschwitz war eine Vodes fahrik, im Laufe der Jahre ein odesMombinat doch das Leben ließ vich nicht vollstũndig, nicht endgiiltig unter- jochen. Durch Spritzen, mit dem Sil einer Spilhacke, durch eine Kigel oder mit Gas Kann man nHmlich ein Herz zum Stilistund bringen, aber Kann man zum Beispiel die Liehe, das Liebesbedirfnis, tõten? Und so gerdt die Liehe eben zu- Sammen mit den Menschen ins Lagen oder vie wlurde dort geboren. Sie verbund Mdnner und Hauen in HftlingsMluft die anscheinend sicher und endgiltig von einunder getrennt wuren, ein andermal zwei Frauen, dann wiederum zwei Män- ner..“(S. 193). Wer etwa die Kapitel „Der Lächelnde“ oder„Angst“ gelesen hat, weiß, wie nahe beieinander Sadis- mus und Zuneigung, der Wille zum Uberleben und die Bereitschaft zum Zerstören liegen können.
Im III. Teil der Trilogie kehrt der Autor sechzehn Mal nach Auschwit?


