Heft 
(2009) 2/2009. Dezember 2009
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11

György Denes' Appell in Friedberg Rede am 7. November 2009 zum Auftakt desGe(h)-Denken

Liebe Demokraten und Antifaschi- Sten,

deutsche Faschisten haben mich vor 65 Jahren als jungen Studenten aus- schließlich, weil mein Vater Jude war, in Ungarn verhaftet, als Nummer ent- menschlicht und in das Konzentrations- lager Bergen-Belsen deportiert. Dieses habe ich nur durch Glück und mehrere Wunder überlebt. Als die Engländer das KZ befreiten, fanden sie mehr als 30 000 Tote. Wir dachten damalsNie wieder Faschismus in Deutschland. Und heute erlebe ich diese Provokation. Nachgebo- rene Nazis nehmen einen Parteinamen, der mit dem WortNational genauso wie NationalsoZialismus beginnt, als Deckmantel, um Lügen über den Holo- caust zu verbreiten. Und diesen NPD- Faschismus bekämpfen wir hier und heute. Wenn mein Uberleben einen Sinn hat, dann ist es die Aufklärung über und die Bekämpfung von Faschismus.

Die Entwicklung von Faschismus lãuft in etwa sieben Stufen ab. In der er- Sten Stufe erzeugt man Hass auf Min- derheiten und Andersdenkende und das in Worten und Schriften. Das Buch Mein Kampf war so etwas und heute sind das Hetzschriften zur Holocaust- Leugnung. Hier muss man energisch Stopp sagen und hat dann Chancen, das Böse zu verhindern.

In der 2. Stufe wird Angst gemacht und Furcht erregt vor den Fremden, den Personen mit anderer Rasse, den Andersdenkenden, vor Demokraten. Hiergegen muss man schon extrem kämpfen, so wie wir das heute machen. Das ist dann die letzte Chance vor Stu- fe 3, bei der es kein Zurück mehr gibt.

Bei dieser Stufe wird mit Gewalt die Macht ergriffen und dann sind Mord und Totschlag programmiert. In dieser Phase ist es schon für Proteste zu spät und die Faschisten bekommen freien Lauf.

In der 4. Stufe erfolgt die Entrech- tung der Menschen und es werden sogar Spezielle Gesetze gegen sie geschaffen. Das geht über in die 5. Stufe, bei der missliebige Personen aus der Gesell- Schaft gestoßen werden, um Zwangsar- beit Zu verrichten, im Ghetto zu landen oder gar in einem Konzentrationslager. Wer hier protestieren will, riskiert sein Leben. In der Stufe 6 erfolgen endgültig die Vertreibung und Peportation und diese Stufe geht in eine 7. Variante über und nun geht es um Tod und Massaker.

Diese Stufen habe ich alle außer der Letzten erlebt und aus Erfahrung kann ich nur sagenWehret den Anfängen. Und nur in den ersten beiden Punkten gibt es die Chance, Faschisten in die Flucht zu vertreiben. Und genau dies ist heute unser Auftrag.

Wir dürfen nicht schweigen, denn Schweigen ist gut für die Henker, aber Schweigen ist nicht gut für die Opfer.

Ich bin dankbar, dass hier rund 2000 Menschen so aktiv sind und es gar nicht zu der Stufe 3 kommen lassen wollen. Gemeinsam werden wir es heute schaf- fen, den Nazis von der NPD Paroli zu bieten. Das sind wir auch meinen vielen toten Kameraden und Kameradinnen in Bergen-Belsen und in den vielen an- deren Konzentrationslagern schuldig.

Deshalb demonstrieren wir anschlie- ßend friedlich gemeinsam.

Vielen Dank.