Heft 
(2009) 2/2009. Dezember 2009
Einzelbild herunterladen

8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

sche lautete ihr scheinheiliger Slogan für einen Marsch, der ausgerechnet für den Samstag vor dem Jahrestag der No- vemberpogrome von 1938 angemeldet war. Mit diesen deutschlandweiten Po- gromen erreichte die Ausgrenzung und Verfolgung der Juden durch den deut- Schen Staat eine neue Phase, die schließ- lich im Völkermord und Weltkrieg gip- felte. Auch in Friedberg wurden vor 71 Jahren die Synagoge niedergebrannt und jüdische Menschen misshandelt. Und nun war die hessische NPD, deren vormaliger Vorsit?ender Marcel Wöll wegen Leugnung des Holocaustes Zu ei- ner Gefängnisstrafe verurteilt worden war, erneut angetreten, um Stimmung für Fremdenfeindlichkeit Zu machen.

Eklatantes Versagen der Politik

Der Magistrat der Stadt wehrte sich gegen den erneuten Versuch einer NPD-Demonstration und verbot die an- gemeldete Marschroute durch die In- nenstadt. Erlaubt wurde nur eine kürze- re Strecke in der Nähe des Bahnhofes. Auf Beschwerde der NPD kassierten je- doch sowohl das Verwaltungsgericht Gießen als auch der Verwaltungsge- richtshof in Kassel das Verbot der Stadt. Die Polizeiführung kündigte daraufhin an, den NPD-Marsch, der ab 11 Uhr von der Friedberger Burg starten sollte, ge- gen Widerstände durchzusetzen. Bereits am Freitagabend wurden Sperrgitter kilometerlang in der Kaiserstraße und den seitlichen Zugängen zu dieser Haupteinkaufsstraße Friedbergs aufge- Stellt. Am Samstag parkten Zudem Poli- zeifahrzeuge Stoßstange an Stoßstange und schränkten s0 massiv Zusätzlich ein Durchkommen ein. Bürgern und Pas- Ssanten, die entweder in den Geschäften einkaufen oder sich an den Protesten

gegen die NPD beteiligten wollten, konnten dies nur in sehr eingeschränk- tem Umfang tun:Stadt im Belage- rungs?zustand titelte die Frankfurter Rundchau.

Bereits um 9 Uhr versammelten sich in und vor der Stadtkirche rund 2000 Menschen und protestierten gegen den NPD-Aufmarsch. Bürgermeister Mich- ael Keller sagte es sei eineklatantes Versagen der Politik, dass die NPD im- mer noch nicht verboten ist. Auch Landrat Joachim Arnold, Dekan Jörg Schlösser, Imam Adem Duru von der Friedberger Moscheegemeinde sowie Vertreter der DGB-Gewerkschaften wandten sich so gegen Fremdenfeind- lichkeit und Faschismus und hoben das Recht aller Menschen hervor, hier leben zu dürfen- unabhängig von Haut- farbe, Geburtsort und Religion.

Als Höhepunkt dieser Veranstal- tung wurde in den Zeitungen die Rede des ungarischen Holocaust-Uberleben- den György Denes(siehe Seite 11) be- wertet, der auf Einladung der Lagerge- meinschaft Alschwitz- HreundesKreis einige Tage in Hessen als Zeit?euge des deutschen Völkermordes an Schulen diskutierte.

Im Anschluss an diese Veranstal- tung an der Stadtkirche fand ein Ge(h)-Denken zu verschiedenen Orten mit meist jũdischem Bezug Statt. Ptwa 700 bis 800 Menschen nahmen nach Angaben des Wetterauer Bünd- nisses gegen Rechtsextremismus an diesem Spaziergang teil.

Pinige hundert weiterer NPD-Geg- ner befanden sich da schon auf der Kai- Serstraße und wurden durch die Polizei- absperrung rund fünf?ig Meter von dem Seit 11 Uhr abmarschbereiten Häufchen der NPD ferngehalten. Finige Meter hinter dieser Gruppe sowie auf den Bür-