Heft 
(2009) 2/2009. Dezember 2009
Einzelbild herunterladen

6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Markus Roth und Charlotte Kitzinger.

kommen, aber wer von den KZHãftlin- gendiesen Willen nicht mehr hatte, hat auch nicht überlebt.

Pingekeilt zwischen Kameraden, deren Tod er miterleben musste, wurde György Denes in Theresienstadt be- wusstlos zunächst zu den Sterbenden gelegt und wurde dort nur durch einen weiteren, kaum vorstellbaren Zufall ge- rettet: Zwei aus Ungarn stammende Krankenschwestern entdeckten, dass er noch lebte:Das war noch Zufall, aber dass eine davon aus seiner Geburtsstadt kam und ihn erkannte,das war ein Wunder. Nur weil sie ihn kannte, über- ließ sie ihn nicht seinem Schicksal, Sson- dern sorgte dafür, dass er gerettet wer- den konnte.Da muss ich doch nach- denken, warum sind die anderen tot und ich habe durch diese Zufälle und Wunder überlebt! Meine Antwort lau- tet: Ich muss erzählen, was widerfahren ist und 8so stehe ich heute auch vor Ih- nen in Butzbach und berichte.

György Denes wurde im Mai 1945 in Theresienstadt befreit. Nach einigen

György und Csöpi Denes besuchten die Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Universität Gießen, hier mit Dr.

Wochen Krankenlager kehrte er nach Ungarn zurück. Dort machte er seinen Vater ausfin- dig, der der Vernichtung eben- falls entgangen war. Drei Schwestern und zwei Brüder Sind jedoch ebenso dem Holo- caust Zum Opfer gefallen wie viele weitere Verwandte rund dreißig an der Zahl.

Zurück in Ungarn beende- te György Denes sein Studium und wurde Geschichtsprofes- Sor. Gegenüber Deutschen ha- be er zunächst keineguten Gefühle gehabt,das ist zu verstehen, nachdem was pas- Siert ist, sagte er auf Nachfra- ge aus dem Publikum. Bald ha- be er jedoch deutschstämmige Studenten kennengelernt und gemerkt, dass es auf die Finstellung der einzel- nen Menschen ankomme.Dass einer Deutscher ist, macht ihn noch nicht zu einem schlechten Menschen, Sagt der Holocaust- Uberlebende.

Mit seinen Studenten beteiligte sich György Denes 1956 am Aufstand gegen das stalinistische Regime. Nach der Nie- derschlagung saß er drei Monate im Ge- fängnis und wurde als Universitätsdo- zent abgesetzt. Durch sein Zweitstudium als Jurist fand er als Anwalt eine Anstel- lung bei einem größeren Unternehmen. Nebenbei studierte er Geowissenschaf- ten und durfte, weil dies im Unterschied zur Geschichtekein politisches Fach war, auch wieder an der Universität for- Schen und lehren.

Heute ist György Denes 2. Vorsit- zender des Dachverbandes der ungari- schen KT-Häftlinge und in Deutsch- land Mitglied im Beirat der nieder- Sächsischen Gedenkstätten.

Hans Hirschmann