Heft 
(2009) 2/2009. Dezember 2009
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4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Wunder in der Hölle

György Denes überlebte Bergen-Belsen und Theresienstadt

Um als Häftling des Konzentrationslagers Bergen-Belsen zu überleben, habe man nicht nur einmal Glück haben müssen, sondern gleich mehrfach, schärfte der Holocaust-Uberlebende Dr. György Denes aus Budapest seinen Zuhörern immer wieder ein. Auf Finladung der Lagergemeinschaft Auschwitz- FrelindesKreis war der 86Jährige mit Bhefrau Csöpi Zehn Tage in Hessen. In fünf Schulen berichtete er über sein Schicksal und beeindruckte dabei rund 400schr aufmerksame Jugendliche, wie er betonte. Bei der Gedenkveranstaltung unseres Vereins Zum Jahrestag der Pogrome vom 9. November 1938 sprach György Denes zudem im Museum der Stadt Butzbach. Nach seinem Bericht überWunder in der Hölle- So eine Formulierung von Bürgermeister Michael Merle- beantwortete er eben-

So wie bei seinen Gesprächen in den Schulen Fragen aus dem Publikum.

György Denes wurde 1923 in Oro- shZa in Südostungarn geboren. Sein Vater war Jude, seine Mutter evangeli- Sche Christin. Er wuchs Zweisprachig auf und machte am evangelischen Gymnasi- um Abitur, danach studierte er an der Universität der Stadt Pecz Geschichte und Jura. Als die Wehrmacht im April 1044 Ungarn besetzte, wurde György Denes ins Getto eingewiesen und zur Zwangsarbeit herangezogen. Im DeZember 1 944 wurde er mit 4000 Juden ins Konzentrationslager Bergen-Belsen im heutigen Niedersachsen deportiert.

Nach der Aufnahme wurden die Häftlinge geduscht und rasiert-vom Scheitel bis Zur Fußsohle. Und obwohl schon Winter war, wurden alle nur mit dũnnen Häftlingsanzügeneingeklei- det. Aber:Man hat nicht nur die Klei- der weggenommen, sondern auch unse- re Menschenwürde. Wir waren zuvor Menschen und dann nur noch Num- mern. Immer zwei Häftlinge mussten auf einer Pritsche schlafen, die eigent- lich nur für eine Person gedacht war. Die Strohsäcke waren voller Läuse, und für die 4000 ungarischen Juden waren lediglich drei Waschplätze vorhanden.

Als dann auch noch Joseph Kramer,

der früher in Auschwit?ztätig war, als Kommandant von Bergen-Belsen ein- geset?t wurde, da haben die Häftlinge feststellen müssen,die Hölle hat noch tiefere Stufen, wie György Denes er- läuterte. Das Pssen wurde noch weni- ger, die Schikanen noch mehr und die Behandlung noch groberIch wog zu- vor 70 Kilo und nach wenigen Wochen nur noch 33 Kilo, war nur Haut und Knochen, berichtete der Referent, der im Wald Zwangsarbeit leisten musste.

In Vichwagen nach Theresienstadt

Bergen-Belsen war zwar kein Ver- nichtungslager wie Auschwit?-Birkenau, aber trotꝰdem starben die Häftlinge zu Tausenden. Ab Januar 1945 trafen Zehn- tausende von Hãftlingen aus den front- nahen Konzentrationslagern ein. Wegen völliger Uberfüllung des Lagers ver- Schlechterten sich die Sowieso schon ka- tastrophalen Lebensbedingungen noch einmal enorm und die Sterbezahlen stie⸗ gen unaufhörlich. Als die britische Ar- mee am 15 April 1945 Bergen-Belsen befreite, lagen mehr als 30.000 Leichen auf dem Gelände- darunter befanden sich auch die sterblichen Uberreste von