12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
verlangte akribische Planung und Vor- bereitung auf Seiten der Täter“, sagte Ute Daub. Man habe die Erfahrungen bei der Deportation akribisch nieder- gelegt, damit man aus ihnen für die Zu- kunft lernen könne. Und die Verschlep- pung in das angeblich„besonders schq- ne und sehr geordnete Getto“ erwies sich für die Deportierten als Fahrt in die„Zone ihres Todes“, s0 Ute Daub. Nach dieser Finführung lasen Stu— dierende und Mitarbeiter der Arbeits- Stelle Holocaustliteratur der Univer- Sität Gießen Passagen aus der im Vor- jahr erschienenen„Chronik des Gettos Lod?/Lit?mannstadt“(Siehe den fol-— genden Artikel„Brinnerung und Ge— denken“). Die Chronik war von der jü- dischen Gettoverwaltung erstellt wor- den und konnte vor der Zerstõrung ge⸗
rettet werden. Dr. Sascha Feuchert, Leiter der Arbeitsstelle und Mitheraus- geber der Chronik, stellte sich an— Schließend zusammen mit Uwe Hart- wig, dem Vorsit?enden der Lagerge- meinschaft Auschwit?- Freundeskreis der Auschwitzer, bei einem Podiums- gespräch den Fragen der Besucher. Die Lagergemeinschaft hat die Publikation der Chronik finanziell unterstützt.
Zum Schluss der Veranstaltung wurde die Tonaufnahme der Kompo- Sition„Passaclia und Fuge über Kol Nidre“ von Siegfried Würzburger (1877— 1943) abgespielt. Würzburger war Organist an der Frankfurter We- stend-Synagoge und gehörte zu dem Transport, der am 19. Oktober 1941 nach Lit?zmannstadt/Lod? geschickt worden war.
Erinnerung und Gedenken
Zur Fdition der Getto-Chronik von LodzLitzmannstadt und dem Jahrestag an die Deportation Frankfurter Juden Von Mlbrecht Werner-Cordt
Gedenktafeln, Chroniken, Kalenda- rien halten EFrinnerungen fest. So ist auf der Gedenktafel an der ehemaligen Frankfurter Großmarkthalle ein Text Zu finden- sofern sich die Tafel auf der Baustelle, wo der Neubau der Furopãi- Schen Zentralbank entsteht, überhaupt finden lässt—, der lautet: Die Oroß— markthalle wur von 1 his 7045 Sdm- melpunkt für die Deportation ſidischer Mdnnen Hrauen lind Kinder alus Fran- furt und Umgehung. AufAnordnung der Gestapòo wur ihnen milgeteilt woyden, vie SoMen„evalkuiert“ oder„ zum Arheit- veinsalz nach Osten“ gehracht werden. Man rauhte ihnen die letzte Habe und misMdndelte sie in den Kellern der alle. Dann vurden sie wie Vieh in
Gilerwuggons geladen. Die Ziele der Vransporte wuren Orte der Vernich— tung“
Und dann folgen Daten und Orte: 19.10.1941 Litzmannstadt und weitere Daten und Orte, bis die Aufzählung endet mit 14.02. 1945 Theresienstadt.
So weit die Gedenktafel, so weit die „Fakten“. Aber was heißt das? Wer wa- ren die„jũdischen Männer, Frauen und Kinder“? Was geschah mit ihnen? In Litzmannstadt und danach? Gab es ein Danach? Wo und was ist„Litzmann- Stadt“? Wie lange waren diese Men- Schen„wie Vieh in Güterwaggons“ un- terwegs? Wer war„man“, der die letzte Habe raubte und misshandelte? Sind „Deportationen“ gleich„Iransporte“?


