Heft 
(2008) 2/2008. Dezember 2008
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7

Der Zaun von Auschwitz

Buchbesprechung zur„Architektur des Verbrechens“

Mit einem textlichen Paukenschlag beginnt im Vorwort das Buch, das den trockenen Untertitel trägt: Das Sy— Stem der Sicherung und Isolation im Lager Auschwitz.

Das erste, was in Auschwit? gebaut wurde:

Der Zaun

Stacheldraht,

16-fach übereinander,

unten enger, oben weiter,

beiderseits eines Betonpfostens gespannt,

diese in zwei Reihen stehend,

der Stacheldraht mit Starkstrom geladen,

an jedem zweiten Pfosten eine Leuchte,

alle siebzig Meter ein Wachturm mit Scheinwerfern:

Der Zaun von Auschwit?

Im Nachwort heißt es mit ähnlich hohem stilistischem Klang- und nur dieser wird dem Gegenstand gerecht: 79070 wurde das Geldnde des ehemali- gen Konzentrationslagers Auschwitz, als einziger Ort dieser At auf der Welt, in die Welterbeliste der UNECOU auft genommen. Mit diesem symbolischen AMt hut die internutionule Offentlich- Keit die Bedelutung dieses Ortes und der mit im verbundenen Geschichte sowie die Sorge um dessen Prhalt für die ZMiinftigen Generationen anerkannt.

Zwischen Vor- und Nachwort er- fährt der Leser, immer auch auf seine bildhafte und emotionale Vorstellungs- kraft hin angesprochen, auf über 250 Seiten alles über die Betonkonservie- rung an Zaunpfählen, über die techni- Sche Konservierung der Stahlbetonzäu- ne, über die Konservierung der Jore so⸗ wie über die Wachtürme. Was indessen auf den ersten Blick als beeindruckende Fachdarstellung für Konservatoren,

Architekten und Techniker erscheinen könnte, das erweist sich im Kontext der Beiträge über die Finzäunung und das System der Absperrung des Lagers vor Ausbruchsversuchen sowie angesichts der Berichte und Brinnerungen der chemaligen Häftlinge und der Zivilar- beiter als ein Buch über Menschen, über die der jüdische Häftling Salmen Gradowski in seinen Aufzeichnungen Sagt: Kein Mensch Kommt hiermen m zu lehen. Aluf dieser toten Inel ſindet je- der friher oder Später den Jod. Es ist die Residenz des Vodes.

Uber die Erhaltungsarbeiten, die 2004 nach sieben Jahren abgeschlossen wurden und deren Sinn und Zweck die Bewahrung der Authentizität war, Schreibt Helmut Morlok: Getragen wlirt de die Arbeit aller Beteiligten vom Wis- Sen lim die Geschichte der Menschen, die hinter diesem Zaun gefangen gehalten, geqult, gedemiitigt, durch Arbeit, Schi- Kanen und Krankheit vernichtet, fahrik- mßig ermordet wurden. UMnen ist dieses Buch gewidmet. Die EFrinnerung an die- e Menschen wuchzihalten, nur daruuf heruht der Wert der Dinge an diesem Gedenkort, Auschwilz. Mir deshalb miissen die Reste der ehemaligen Lagen die Hinterlassenschaft der Opfen die Zelignisse der Untuten erhalten und für die ZMunft hewahrt werden.

Es ist ein großes Gedenkbuch ge- worden, das wir allen Lesern empfeh- len.(Nähers dazu in der nãchsten Aus- gabe des Mitteilungsblattes.)

Alhrecht Werner-Cordt

Architektur des Verbrechens, Verlag des Staatlichen Museums Auschwitz- Birkenau. 2008, ISBN 978-83-6021053.6