Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27
ner Muter und seiner Ge- schwister Rosa und Gisela, Aron und Moses spricht. Pin Jahr später wurde er Selbst mit seinem Bruder Hermann abtransportiert. Sein Bruder David war kur? zuvor nach Auschwit? „überstellt“ und auf der Rampe erschossen wor- den, als er sich bei der Se- lektion wehrte: Dort, dort driihen ist der Bahnsteig J. Von dort hrachte man mei- ne Mutter und meine Ge- Schwister in ein Vernich— nungslagen Es wur ein gunz normaler Pemonenzlg, vollgepfopft mit Pener AMuden, von einer mit auſge- Pfanztem Bajoneit hestiickten S— Mannschaft begleitet. Meiner weinenden Multer riss der Schmerz des Ahschieds einen lang gezogenen Schrei aus dem Kõpen der sich, wie ein Schrillen Nerven zerfetzender Von einer überdehnten Saite, über den ganzen Bahnhof legte. Sie nahm Abschied von ns Zurüickge- hliehenen, die wir ja in Kriegs wichtigem Finsatz waren, ahnend, dass sie ihre Kinder nie mehr wiederehen wird. Pie- Ser Schrei hat sich in mein Hirn ge- hrannt, lind die unmenschliche Angst, die vich damit verhindet, verfolgt mich velhst in meinen zufriedensten Stlunden.
Und einige Seiten spãter- nachdem Prinnerungen an die„bornierten groß— mannssüchtigen Machtdemonstratio- nen“ der Wachmannschaften und die ohnmächtige Schwäche der in die Zũge Getriebenen gefolgt waren: Welche Maßlosigkeit, die da an vollkommen hilflosen Menschen vorgenommen wur— deꝰ- heißt es, im Text fortfahrend und der Wiederholung des grauenhaften Geschehens assoziativ über die Jahre
Imo Mos?kowicz während einer Lesung in Ottobrunn 2006. Fotografiert von Claus Schunk.
auf der Spur bleibend: Die nämliche Demonstration wiederholte sich ein Jahr später bei meinem Ahtransport aus der Portmuinder Halle, wo man die rest- lichen Muden von Rhein und Ruhr ein- gesummelt hatte. Der Transport endete in Auschwit?.. Der Esener Bahnhof war ja nicht leer zu der Stunde des Vransportes, nd viele hahen ja nicht nur gehört Sondern auch gesehen. Wie jene Vausende, die,. als wir zum Giter hahnhof gebracht wurden, linseren Marsch durch einen Portmunder Stadt- teil gesehen haben und hämisch feixten. „Wir wisslen ja nicht, duss ihr.. wir dachten, ihr werdet in Arheitslager ge- hracht. nd arbeiten miissen ju vchließ⸗ lich alle.. ist ja nichis Schdndliches..“ Das ignorierende Vhertinchen habe ich zl oft hõren mlissen. Meine Brüder Mermann und Pavid Kehrten mit mir in insere Wohnung am Gänsemarkt zuriick. Blitzsauber hatten Muuter und Rosd vie Zuriickgelassen, den Herd ge⸗ Plitzt, die Betten frisch bezogen, als würt den vie in ein paur Vagen wieder da sein. Als ich das große Schlafzimmer hetrat, fand ich Pavid weinend; er weinte Jag


