12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Sprechen heute von den insgesamt noch elf verbliebenen ehemaligen Sonder- kommando-Häftlingen nur noch drei õffentlich über das Geschehene.
Henryks Vermächtnis findet sich heute in Radio- und Zeitungs-Inter- views, Dokumentarfilmen, Büchern so- wie einer Foto-Ausstellung über sein Leben wieder. Er war der in den inter- nationalen Medien am stärksten vertre- tene Sonderkommando-Uberlebende, den es je gab. Er stand gerne im Mittel- punkt und scheute sich nicht, aus dem Inneren der Hõlle von Auschwit? zu be- richten, Sselbst dann nicht, als er dafür verurteilt und verlacht wurde, weil ihm niemand glaubte. Sein furchtloses Auf- treten kann nicht hoch genug geschätzt werden: Im Lager legte er sich mit Funktionshäftlingen an, half Kamera- den in anderen Lagerabschnitten mit Medikamenten und Nahrungsmitteln, Sabotierte den Goldraub der SS, indem er Wertsachen im Ascheteich versenkte. Nach dem Krieg musste er sich mit Antisemiten und Auschwitz-Leugnern auseinandersetzten; als Ehemanmn einer deutschen Frau war er zudem mit anti- deutschen Ressentiments konfrontiert. Henryk hatte kein einfaches Leben und trotꝰdem blieb er seinem inneren Auf- trag treu, Zeugnis von den Verbrechen in Auschwit? abZulegen- auch wenn es lange Jahre dauerte, bis seine Berichte anerkannt und er geschät?ztwurde als das, was er war: ein außergewöhnlicher, ein einmaliger Mensch,„Jestem unika- tem“, wie er selbst Ssagte.
Wir danken Henryk für seine aufop- ferungsvolle Kraft, uns seine Erfahrun- gen und Erlebnissen mitzuteilen und uns vorzuleben, wie ein Mensch uner- Schütterlich und gegen alle Widerstände seinen Weg gehen kann, für seine Uber- zeugung: für Frieden und Versöhnung
auf der Welt. Henryk hinterlässt eine große Lücke, die nicht zu füllen ist. Wir werden seine Herzlichkeit, die ihn lie- benswert machte, seine unerschöpfliche Lebensfreude, die anstecken konnte, Seinen einmaligen Humor, der uns zum lachen brachte, und seine unermüd- lichen beispiellosen Versõhnungsbemü- hungen schmerzlich vermissen. Andreas Kilian
Literatur zu Henrk Mandelbaum. EFric Friedler, Barbara Siebert, Andreas Kilian: Zeugen aus der Todeszone: das jüdische Sonderkommando in Auschwitz. DIV München 2005, ISBN 3-423-34158.0 Nur die Sterne waren wie gestern: Henryk Mandelbaum, Häftling im Sonderkom- mando von Auschwitz 1 044/1 045; Ausstel- lungskatalog. Bildungswerk Stanislaw Hantz, Kassel 2006, ISBN 3-00-018142.3
„Die Natur macht die Welt für mich schön.“ Foto: Andreas Dahlmeierò in: Nur die Sterne waren wie gestern.


