Heft 
(2008) 1/2008. August 2008
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11

in Auschwit? nach der politi- schen Wende in Polen nicht mehr relativiert oder verschwie- gen wurde und die Geschichte des Sonderkommandos in den Blickpunkt der Auschwitz- Forschung rückte und offen be- arbeitet werden konnte, wurde Henryk Mandelbaum für das Auschwitz-Museum und die in- ternationale Jugendbegeg- nungsstätte in Oswiecim inter- essant und ernst genommen. Jedoch noch 1994 wurde es nicht für nötig gehalten, ihm bei den Feierlichkeiten des 50. Jahrestags des Sonderkommando-Aufstands als un mittelbaren Zeugen im Gedenkpro gramm einen Platz zukommen zu las- Sen. Der unschät?bare Wert seiner Be- richte und seine außergewöhnliche Wirkung auf Besuchergruppen aus dem Ausland wurde leider erst nach langer Zeit, nämlich seit 1908 erkannt.

Henryk Mandelbaums Bedeutung für die Sonderkommando-Forschung

Die Lagergemeinschaft Auschwitz konnte Henryk in den vergangenen Jahren als Zeitzeugen für die Beglei tung ihrer Studienfahrten und als treu- en Freund gewinnen. In den let?zten zehn Jahren seines Lebens erschöpfte sich Henryk unermüdlich durch regel- mäßige Gespräche mit Jugend- und Prwachsenengruppen, vor allem deut- Schen. Während er noch in den achtzi- ger Jahren von US-amerikanischen In- stitutionen als besondererZeitzeu- ge erkannt wurde und bereits verein- zelt amerikanische Gruppen durch Auschwit? begleitete, wurde er nun auch vermehrt nach Deutschland ein-

Henryk Mandelbaum mit Ehefrau Lydia bei einem Besuch in der Internationalen Jugendbegegnugns- stätte Auschwitz/Oswiecim.(Foto: Kilianò 1994)

geladen, um dort- oftmals an der Seite seines Freundes und Auschwitz-Uber- lebenden Stas?ek Hant?- von Stadt zu Stadt Zu reisen und über sein Schicksal und das der Auschwitz-Häftlinge zu berichten. Kein Sonderkommando- Uberlebender stellte sich für so viele Vortrãge zur Verfügung wie Henryk Mandelbaum.

Von insgesamt 2200 Sonderkom- mando-Häftlingen in Auschwit?-Bir- kenau überlebten nur etwa 110 Mann das Kriegsende. Mandelbaum war der einzige, der seit seiner Befreiung von Anfang an dazu bereit war, über das Er- lebte õffentlich zZu berichten(was in den ersten Jahrzehnten jedoch niemand hören wollte), und der in seinem Hei- matland Polen bis zu seinem Tod lebte. Vermutlich nur zwei Uberlebende von ehemals 350 polnischen Sonderkomman- do-Vberlebenden emigrierten nicht in das Ausland. Seit den spãten neunziger Jahren gehörte Henryk Mandelbaum neben Shlomo Venezia zu den einzigen beiden Sonderkommando-Uberleben- den, die interessierten Menschen an den Originalschauplät?en, auf dem ehe- maligen Gelände der Krematorien und Vernichtungsanlagen, von ihren Frin- nerungen berichteten. Nach seinem Jod