Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
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rufende Kommunen beraten. Sie sollen jedes Mal neu zusammengestellt wer- den- je nach Anlass mit Juristen, Psy- chologen und Polizisten besetzt. Loren? Korgel, Koordinator der Mobilen Beratungsteams ist über- zeugt, dass die geplanten kurzfristigen Feuerwehreinsätze gegen rechts zum Scheitern verurteilt sind.„Die Leute in den betroffenen Orten wollen nie-— manden, der einfliegt, ihnen sagt, wie man es besser macht, und dann wieder abhaut“, warnt er.„In einer so kurzen Zeit wird niemand mit dir kooperie-
ren.“ Dem stimmt auch Karl-Georg Ohse, Leiter des Mobilen Beratung- Steams Schwerin, zu:„Kurzfristige Kri- Seneinsät?e sind kein probates Mittel gegen die Faschisierung der Provin?“, Sagt er.
Auch die Wissenschaftler, von de- nen die Modellprojekte begleitet und beurteilt worden sind, waren bei der Entwicklung des Entwurfs nicht betei- ligt. Der Bielefelder Politologe Armin Steil sagte der taz:„Wir empfehlen, mehr auf Kontinuität zu setzen“.
Hans Hirschmann
Integriert-interessiert- deportiert
Integriert- interessiert- deportiert. So lautet der Untertitel einer Skizze über Alfred Hahn, einen ehemaligen Di- rektor der Dresdner Bank. Er wurde 1873 in Berlin geboren, war scehr an Kunst interessiert, wurde 1942 mit EFhefrau Cla- ra nach Theresienstadt de- portiert. Beide sowie auch viele Familienangehörige wurden Opfer des Holocaust. So hatten weder Tochter Else noch Schwiegersohn Mfred Werthan als Gehörlose nach ihrer Ankunft in Auschwitz 1943 eine Uberlebenschance.
Viel Sichtbares ist von Afred Hahn nicht geblieben außer seinem Haus am Wannsee und einem nicht auffindbaren Liebermann-Gemälde. Zumindest Jeile Seines Schicksals und dem weiterer An- gehöriger hat seine Urgroßnichte So— phie-D. Hleisch recherchiert und in der von der Stiftung Neue Synagoge Berlin- Centrum Judaicum herausgegebenen Reihe„Jüdische Miniaturen“ verõffent- licht. Sie kann dabei Bezüge zu der vor noch nicht allzu langer Zeit veröffent- lichten Studie über die Dresdner Bank herstellen.„Hahns Karriere-vom einfa-
Clara, Fl
Sse und Alfred Hahn im Jahr 1933
chen Lehrling bis zum angesehenen Di- rektor- und deren abruptes Ende ma- chen die unausweichliche Verknüpfung des Pinzelschicksals mit gesellschaft- lichen Geschehnissen nach- vollziehbar“, urteilt Hermann Simon, Herausgeber der„Mi- niaturen“-Reihe. Sophie-D. Feisch hat anonymen Zahlen in Arisierungsakten konkrete Namen von Opfern und Tä- tern zugeschrieben. So kann Sie die unmittelbare Verant- wortung Albert Speers für die Deportation der Geschwister Hahn nachweisen sowie allgemein das Zusam- menwirken von Behörden und Unter- nehmen bei der„Vermögensverwer- tung“. Sophie-D. Fleischs„Miniatur“ Sollte nicht Zzulet?t auch als Anregung und Aufforderung verstanden werden, die Suche nach Verwandten nicht aufzu- geben, so Hermann Simons Wunsch im Nachwort des Bandes.
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Sophie-D. Fleisch: Alfred Hahn (1873-1942), Berlin 2006, 5,00 Buro, ISBN 3-938485-30-2. Weitere Informa- tionen zu Alfred Hahn und der Auto- rin: www.Sdfleisch. de.


