24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Stapo und ein Vertreter Himmlers. Sie ließen sich den Haftverlauf des Vaters erzählen; Frankfurt-Hammelsgasse, Preungesheim, Walchum, Papenburg, Frankfurt-Gerichtsgefängnis, Dachau und Mauthausen. Doris berichtet dar- über:, Diese Herren machten uns große Moffnung, dass der Vater buld heim Kä- me. HMeule weiß ich, dass vie vich an un- serem Leid ergötzten, denn der Vauter Kam heim, aber in einer Urmne. Es wuren nlr Inge vpäten dass wir ein Telegramm ernielten mit dem Wortlaut Ehemann heute im Lager vertorben näheres durch Polizei. Es war der 10. April 1040. Hinen Jag vor Hitlers Gehurtstag. Vor der v0 genannten Amnestie.“
Markige Reden gegen„jüdisch, bolschewistische Plutokratie“
Wie Kinder von Mitgliedern des politischen Widerstandes drangsaliert und isoliert wurden, wurde an den Bei- Spielen von Artur Roth und Wolfgang Breckheimer verdeutlicht. Wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in der il- legalen KPD waren Artur Roths El- tern Zeitweise in Haft. In seinen Erin- nerungen schreibt er:„Für mich wur dies eine Schwere Zeil. Ioh lehte bei mei- nen Großeltern.(..) Ostern 7933 Kam ich in die Ackermann-Schule, eine Jun- genschile. Wenn meine Mitschiler über inr Elternhaus sprachen, z0g ich mich zurick. Was hätte ich auch erzòhlen SOllen. Mir war wohl Klan dass ich über die Verfolgung meiner Eltern nicht re- den Konnte. Das hatle zur Hoige, duss ich sehr ivoliert wun Da die meisten Schiler in der naheliegenden Siediung wohnlen, hatte ich mit niemand einen gemeinsamen Schulweg. Jch ging im-
mer allein in die andere Richtung.“
Wie in der Riederwaldschule der Machtantritt der Nazis sich auswirkte, beschreibt Wolfgang Breckheimer in seinen Brinnerungen:„Un der Schule Z0g der Geist der Unduldsamkeit ein. Die Lehrer prostituierten vich vor den nelen Herren. Bei vielen Gelegenhei- ten, mussten die Schüler aller Klassen im Nofoder in derAula antreten. Pann wuden markige Keden von der natio- nalen EFmebung gegen jüdische, hol Shnwistische Plutolkrutie' und von der Befreilung vom Versuiller Vertrug' ge- halten. Zum Schluss wurden das Deutschlandlied und das Horst- Wes- vel-Lied gesungen. Solunge diese Lie- der erklangen, musste die Hand zum Nitlergruß gehalten werden.“
Die Nürnberger Gesetze von 1935 stempelten Wolfgang Breckheimer zum„Halbjuden“ Seine Mutter Cäci- lie wurde zu Beginn des Jahres 1943 nach Auschwit? deportiert. Im Sommer wurde die Familie benachrichtigt, dass Cäcilie Breckheimer an„allgemeiner Körperschwäche“ gestorben sei.
Vormilitärische Erziehung im Landschulheim Wegscheide
Generationen Frankfurter Schul- kinder erinnern sich an ihren Aufent- halt im Schullandheim Wegscheide- an Natur und Wald, gute Luft, Abenteuer und Spiele. Kaum eines erfuhr jedoch etwas über die Geschichte der Weg- scheide, obwohl dieser Ort wie kaum ein anderer die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts zwischen Krieg und Frie- den widerspiegelt. Nach dem ersten Weltkrieg in den Baracken des ehema- ligen Truppenübungsplatzes errichtet,


