Heft 
(2007) 1/2007. Juni 2007
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23

Ses in Kraft. Behinderte Kinder wer- den im Rahmen der sog. Euthanasie er- mordet oder sie werden Zzwangsweise Sterilisiert. Hilfsschulen übernehmen die Aufgabe, behinderte Kinder, wie zum Beispiel Gehörlose, für die Sterili- Sation auszuwählen. Auch im Unter- richt haben es gehörlose Kinder nicht leicht. Gebärdensprache ist dort verbo- ten. Wie es gehörlosen Schülern oft er- gangen ist, Zeigt das Beispiel des 1950 nach Frankfurt ZzugezZogenen Fridolin Wasserkampf. Sein Vater, selbst gehör- los, war von den Ideen der Nazis ange- tan. Der hörende Großvater war Frido- lins Vormund. Mit einem Brief vom 23. DeZember 1940 wurde der fast 16 jähri- ge aufgefordert, sich unfruchtbar ma- chen zu lassen. Der Großvater küm- merte sich sehr engagiert darum, dieses Schicksal zu umgehen, er legte Be- Schwerde ein, auch eine Volkspflegerin Schaltete er ein und ging mit ihrer Hil- fe bis Zum Erbgesundheitsobergericht.

Wer Fridolin angezeigt hatte, weiß er bis heute nicht. Denn sowohl die an- zeigende Person als auch alle damit verbundenen Vorgänge mussten streng geheim bleiben. Typisch für das Vorgehen war der Aufruf der evange- lischen Taubstummen-Seelsorge mit dem Titel:Ein Wort an die erbkran- ken evangelischen Taubstummen Die Ohrigkeit hat befohlen Memand darf über Unfruchtharmachung spre- chen. Du velhst auch nicht. Merke wohl Du darſst zu Keinem Menschen darü- her SprechenhAuch deine Angehörigen nichtꝰ Und der Arzh der Richten sie al- le mlissen durüher Schweigen

Die Volkspflegerin von der evan- gelischen Mission schrieb nach der let?ten Gerichtsentscheidung:Es tut

mir leid, aber ich bin sicher, dass Sie Stark genug sind, dies Opfer freiwillig für die Volksgemeinschaft zu brin- gen. Fridolin musste sich schließlich dem Fingriff unterziehen. Zu seiner großen Uberraschung bekam er als Bettnachbar seinen eigenen Vater-80 wusste er, auch sein Vater war davon betroffen. Noch bis heute haben viele Gehörlose große Probleme über die erlittene Zwangssterilisation zu reden.

Verweigerte Ausbildung- grausamer Scherz

Zu den grundsätzlich verfolgten Opfern Nazi-Deutschlands gehören auch die Zeugen Jehovas, die den NS- Organisationen aus Glaubensgründen fern blieben, zudem nicht nur den Kriegsdienst verweigerten sondern auch den Hitlergruß. Der jungen Do ris Kaltwasser wurde deshalb die ge- wünschte Ausbildung zur Kunstge- werblerin unmöglich gemacht. Beide Eltern wurden verhaftet. Uber diese Zeit berichtet Doris: Jch hahe in mei- nem Leben nicht mehr s0 viel geweint wie damal. Jch lernte aber auch, mich zu heherrchen und niemand wußte, wls mit mir los wur nd wie es mir ging. Jch Kann helute noch nicht ohne Kloß im Nals liher die Besuche im Gefüingnis prechen. Den Vater im Gerichtsge- ſeingnis die Mutter im Hrauengefängnis Prelingesheim.

Die Mutter kam zwar nach relativ kurzer Zeit wieder frei, allerdings war die Armut der verbleibenden Familie unbeschreiblich. Außerdem standen sie unter der ständigen Uberwachung durch die Polizei. Schließlich bekamen sie nochbesonderen Besuch: die Ge-