32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
nur in Verhandlungen einzutreten, führ- te Zu einer Welle von Klagen gegen die Bundesrepublik Deutschland, vor allem vor griechischen Gerichten. Im Fall Distomo gelang dabei ein spektaku- lärer Erfolg. Deutschland wurde 2000 vom obersten griechischen Gerichtshof rechtskräftig zur Zahlung von ca. 28 Millionen Furo verurteilt. Gezahlt wur- de jedoch nicht. Mit politisch-diploma- tischem Druck wurde die griechische Regierung erfolgreich genötigt, die Vollstreckung aus dem DistomoVrteil gegen Deutschland zu unterbinden.
Im Sommer dieses ahres wies das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vier Beschwerden von Angehörigen der Opfer zurück. Das Massaker wurde nicht als Verbrechen gewertet, sondern als Kriegshandlung, für die ein Entschä- digungsanspruch Einzelner nicht beste-
he. Der Anwalt der Kläger kündigte an, den Fall vor den Europäischen Ge- richtshof für Menschenrechte in Straß- burg zu bringen. Er kritisierte die Ent- Scheidung als„Fehlinterpretation“. Pie Karlsruher Richter set?ten damit„die Verweigerung einer Entschädigung na- tionalsoZialistischer Verbrechen fort“. Das Haager Abkommen von 1907 ge— wãhre individuelle Schutzrechte.
Die vier inzwischen 66 bis 73 Jahre alten Beschwerdeführer lebten als Kin- der im griechischen Ort Nistomo. Port kam es 1944 Zu Kämpfen zwischen den deutschen Besatzungstruppen und Par- tisanen. Als„Vergeltung? erschoss eine SS-Pinheit am 10. Juni 1944 mehr als 200 unbeteiligte Bewohner und brannte das Porf nieder. Unter den Opfern waren die Eltern der Beschwerdeführer.
Hans Hirschmann
Die Zeit steht für immer Still auf der Uhr von Kalavrita
Griechisches Bergdorf war Schauplatz eines Kriegsmassakers
Die Schmalspurbahn windet sich durch die enge Schlucht des tosenden Vuraikos. Beiderseits ragen steile Fels- wãnde empor, es geht durch Tunnel und vorbei an rauschenden Wasserfällen. Mit dem Finrasten der Zahnräder be- ginnt der Aufstieg. Nach etwa einer Stunde Fahrt und 700 Metern Höhen- unterschied tauchen auf einer grünen Hochebene die ersten Häuser von Kalavrita auf.
Das abgelegene Bergdorf im Nor- den des Peloponnes ist heute ein be- liebter Ferienort vor allem für Athe- ner. Poch in die Idylle der Landschaft
mischt sich die Erinnerung an eine der schlimmsten Nazi-Gräueltaten in Griechenland während des Zweiten Weltkrieges. Ende 1943 nahmen Par- tisanen 81 deutsche Soldaten gefangen und tõteten sie, als Besatzungskräfte sie befreien wollten. Die deutschen Truppen trieben daraufhin am 13. De⸗ zember in Kalavrita alle männlichen Dorfbewohner ab 14 Jahren zusam- men und erschossen sie mit Maschi- nengewehren. Die Zahlenangaben über die Opfer in dem Porf und den umliegenden Ortschaften schwanken zwischen 676 und mindestens 1.436.


