Heft 
(2006) 1/2006. August 2006
Einzelbild herunterladen

Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 312

überlebenden Opfer, de- f nen Nachbarn und Freun- de nicht aus dem Sinn gin- gen, die plötzlichkeine Freunde mehr sein woll- ten, die sich begeistert an fremdem Figentum ver- griffen und inkürzester Fvolutionszeit zu Herren über die körperliche Un- versehrtheit schutzloser Menschen mutiert wa- ren. Verbunden ist diese

Erinnerung der im Exil, Das neue Kulturzentrum in Lich

auf der Fucht und auch in Konzentrationslagern Uberlebenden mit dem Schmerz und der Trauer um die massenhaft ermordeten Angehöri- gen und Glaubensgenossen.

Morit? Neumann warf die Frage auf, ob die einstigen jüdischen Bürger Lichs der rein theoretischen Vorstel- lung zustimmen würden, dass das Ge- bäude wieder Synagoge sein könnte, und bezeifelte dies:Denn nach all den schrecklichen Erlebnissen, die sie zu durchleiden hatten, nach all den 80 tief deprimierenden Erfahrungen mit vielen, die sie einst für ihre Mitbürger hielten, nach ihrer erzwungenen Flucht aus Geburtsstadt und Heimat gab es auch Gefühle von Abwehr und Ablehnung. Das geschah nicht selten als Selbstschutz, um nicht wieder und wieder den Schmerz empfinden zu müssen, wie geprügelte Hunde verjagt worden zu sein.

Finer der durch Flucht sein Leben retten konnte, war Ernst Chambré, dem es imponierte, als vor knapp 20 Jahren Licher Schüler sich für die Auf-

klärung der NS-Zeit engagierten. Er Stellte die finanzielle Ausstattung be- reit, mit der die Stiftung gegründet wurde, die seinen Namen trãgt und sich der Aufklärung und Brinnerung im Land der einstigen Täter widmet.Ei- ne selbst gewählte Aufgabe, würdigte dies Morit? Neumann,die den einsti- gen Verfolgern besser angestanden hätte als einem einstigen Verfolgten, einem Uberlebenden des Infernos. Es zeigt nichts anderes als den hohen Grad an Fähigkeit und Bereitschaft, über alle Leichenberge von Ermorde- ten hinweg die Hand zu reichen. Das gereicht den einen zur Ehre. Manche andere müsste es beschämen.

Die Geschichte eines Gebäudes und die Chambré-Stiftung

Das Gebäude des heutigen Kultur- zentrums wurde 1921 von der Jüdi- schen Gemeinde erworben, umgebaut und erhielt den Namen Bezalel-Syna- goge nach dem biblischen Baumeister