Heft 
(2006) 1/2006. August 2006
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29

dern festgehalten. Hinter dem Pikto- gramm eines Briefes verbirgt sich der TextNun ist es soweit, morgen muß ich fort u. das trifft mich natürlich Schwer;.. Ich werde Dir schreiben... Vor der Deportation, 16. 1. 1942. Hin- ter dem Emblem der Deutschen Reichsbahn heißt esErste Massen- deportationen Berliner Juden. 18. 10. 1941. Erste Direktdeportation ins Ver- nichtungslager Auschwitz. 11. 7. 1942. Und unter dem Patum 23. 10. 1941 wird auf dasAuswanderungsverbot für Ju- den hingewiesen. Die Bildseite dieser Verordnung ist einfach nur schwarz, was wohl für sich selbst Spricht.

Schon seit über zehn Jahren gehören diese Schilder zum Stadtbild des Bayerischen Viertels in Berlin. Das Kunstamt Hempelhof-Schöneberg vermittelt auch Führungen entlang

der Standorte. Wer noch nichts von dem Projekt gehört hat und rein zufäl- lig darauf stößt, reagiert zumeist ver- unsichert und befremdet, weil er die Bedeutung zunächst nicht richtig ein- Schätzen kann. Zweifellos lag es in der Absicht der Künstler, erst einmal Ver- wirrung zu stiften, um auf diese Weise zum Nachdenken anzuregen. Mer- dings hätte man ihrem Projekt wohl doch etwas mehr Resonan?z ge- wünscht. Denn großes Aufsehen hat es nicht erregt.

Zu dem Dankmalprojekt von Renata Stih und Frieder Schnock erschien mitOrte des Frinnerns/ Places of Remembrance ein zweisprachigesArbeitsbuch für ein Denkmal. Unsere Fotos stammen aus ei- nem Nachdruck, Berlin 2002, ISBN3-7759. 0473-5. Copyright: Stih& Schnock, Berlin/ VG BildKunst, Bonn.

KWir hatten einen Wellensittich. Als nun die Verordnung uns erreichte, daß Juden das Halten von Haustieren verboten sei (I1.. 1 942), konnte sich mein Mann nicht von diesem Tier trennen. Jeden Tag, wenn die Sonne schien, stellte er den Vogelkäfig auf das Blumenbrett. Vielleicht hat ihn jemand denunziert, denn mein Mann er- hielt eines Tages eine Vorladung zur Gestapo.(..) Nach vielen angstvoll durchlebten Wochen bekam ich von der Polizei eine Karte, daß ich gegen Zahlung einer Gebühr von 3.- RM die Urne meines Mannes abholen soll.

Bericht 1943