28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Aufschrift„Jüdische Beamte werden aus dem Staatsdienst entlassen. 7. 4. 1933“ oder hinter der Schulnote 24 die Anweisung„Sämtliche Berliner Be- zirksämter sind angewiesen, jüdische Lehrkräfte an den städtischen Schu— len sofort zu beurlauben. 1. 4. 1933“. Hãufig nehmen die Schilder Bezug auf heutige Finrichtungen vor Ort. Vor einem Supermarkt sieht man ein Brot und auf der Rückseite die Auf- schrift„Lebensmittel dürfen Juden in Berlin nur nachmittags von 4— 5 Uhr einkaufen“. Vor einem Geldinstitut heißt es hinter dem Piktogramm „Bank“ kategorisch„Juden müssen ihre Vermögensverhältnisse offenle- gen, um den Pinsatz des Vermõgens im Interesse der deutschen Wirtschaft sicherzustellen“. Vor einer Metzgerei ist Wurst abgebildet sowie die Auf— schrift„Die Versorgung von Juden mit Fleisch, Fleischprodukten und ande-
ren zugeteilten Lebensmitteln wird eingestellt.“
Weitere Schilder verweisen darauf, dass Juden keine Hirmen oder Hand- werksbetriebe mehr führen dürfen, dass ihnen künstlerische und schrift- stellerische Tätigkeit untersagt ist und dass jüdische Arzte und Tierärzte Be- rufsverboten unterliegen. Vor einem Kindergarten heißt es, dass arische und nichtarische Kinder nicht mitein- ander spielen dürfen. Man erfährt, dass jüdische Kinder von 1938 an kei- ne öffentlichen Schulen mehr besu- chen dürfen und ihnen nach 1942 jeg- licher Schulbesuch verboten war. Zu diesem Zeitpunkt durften Juden auch keine Haustiere mehr halten, wie hin- ter der Abbildung einer Katze mitge- teilt wird. Erschütternd ist in diesem Zusammenhang der Bericht über die Frmordung eines Mannes, der seinen Wellensittich nicht abgeben wollte.
Das Bayerische Viertel im Berliner Stadtteil Schöneberg schien den Künstlern für ein Projekt dieser Art geradezu prädestiniert. Hier lebten bis 1933 rund 16.000 Juden- vor allem Arzte, Juristen, Wissenschaftler und andere Bürger des Mittelstands, die damals einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen und kulturellen Le- ben der Hauptstadt leisteten. Albert Finstein lebte für einige Zeit im Bayerischen Viertel und ebenso der Psychoanalytiker Erich Fromm. Rund 10.000 Schöneberger Juden konnten rechtzeitig emigrieren. Gut 6.000 wur- den später deportiert- von ihnen ha- ben nur etwa 170 überlebt.
Auch diese Phase ist in den Schil-


