Heft 
(2006) 1/2006. August 2006
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27

Künstler machen Berliner Wohnviertel zum Ort des Erinnerns

Schilder dokumentieren Brutalitãt der Ausgrenzung von Juden Von Annedore Smith

Das weißeU auf blauem Hinter- grund scheint ganz normal auf eine U- Bahn-Station hinzuweisen. Doch auf der Rückseite des Schildes am Bayeri- schen Platz in Berlin steht die Auf- schrift:Juden dürfen öffentliche Ver- kehrsmittel nur noch auf dem Weg zur Arbeit benutzen. 13. 9. 1941. Vollstän- diges Benutzungsverbot. 24. 4. 1942. Vor den Bänken der Grünanlage zeigt ein weiteres Schild eine rote Parkbank auf grünem Rasen. Auf der Rückseite heißt es:Juden dürfen am Bayeri- schen Platz nur die gelb markierten Sit?bänke benutzen.

Insgesamt 80 an Laternenpfählen angebrachte Schilder erinnern am Bayerischen Plat? und den umliegen- den Straßen auf anschauliche Weise an die Judenverfolgung im Dritten Reich. Das Projekt geht auf die Künstler Re- nata Stih und Frieder Schnock zurück,

einen Seite Piktogramme wie bei ei- nem Memory-Spiel. Die Iexte auf der Rückseite stammen zumeist aus Ge- setZesverordnungen, die nach der Machtergreifung der Nationalsoziali- sten den Juden das Leben immer mehr zur Hölle machten. Auf beklemmende Weise wird der schleichende ProzZess der Ausgrenzung schon lange vor der gezielten Vernichtung deutlich. Juden werden aus Sport- und Turnvereinen ausgeschlossen. 25. 4. 1933, heißt es auf einem Schild, das die Umrisse eines Fußballfelds zeigt. Fin Schachbrett weist auf den Text Juden werden aus dem Großdeut- schen Schachbund ausgeschlossen. 9. 7. 1933. Pin Notenarrangement be- deutetJuden werden aus Gesangs- vereinen ausgeschlossen. 16. 8. 1933. Noch gravierender ist auf der Rück- Seite eines Stempel-Piktogramms die

die nach eigenen Worten die Brutalität der Geset?gebung von damals im heutigen Mltag bewusst machen wollten. Es ge- he umdas Sichtbarmachen von Sachverhalten, die in perfi- der Folgerichtigkeit Schritte zur Vernichtung der jüdischen Be- wohner waren, erklärt Stih. Die rund 50 Mal 70 Zenti- meter großen Schilder in knapp drei Meter Höhe zeigen auf der

Juden dürfen keine Haustiere mehr halten.

15.5. 1942