24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Das Projekt„Stolpersteine“ zum Gedenken an NS-Opfer Denkmale von unten, damit wir„ideell zum Stolpern“ gebracht werden Von Regine Wolfart
In über 130 Ortschaften in Deutsch- land sind sie in?wischen verlegt, insge- samt mehr als 7500. Fine Fin-Mann- Idee und bis vor kurzem auch eine Fin-Mann-Arbeit.„Ein Kunstprojekt für FEuropa“ nennt der Bildhauer Gun- ter Demnig seine Form des Gedenkens an Opfer des NationalsozZialismus, das die Vertreibung und Vernichtung der Juden, Zigeuner, politisch und religiqs Verfolgten, der Homosexellen und But- hanasieopfer in uns lebendig erhalten Soll. 1997 hatte der Künstler die ersten Paten in Köln gesammelt, die ersten der 10 X 10 cm Betonsteine gegossen und die ersten Namen, Geburts-und Schicksalsjahre in eine Messingplatte gehauen, die den im Pflaster sichtbaren Jeil der Steine bedeckt.„Jeder persön- liche Stein symbolisiert auch die Ge- Samtheit der Opfer, denn alle eigentlich nötigen Steine kann man nicht verle- gen“, sagt Demnig. Ausgangspunkt sei- ner Idee,„Stolpersteine“ als„Denkma- le von unten“ zu konzipieren, war die Uberlegung, dass Auschwitz und ande- re Konzentrationslager Endpunkte der Vernichtung waren, aber das Grauen für die Opfer in den eigenen Wohnun- gen begonnen hat. Mit den Steinen soll das frühere Leben der Opfer für uns heute öffentlich dokumentiert werden und zwar nicht museal, sondern an Or- ten, an denen Passanten in ihrem Alltag „ideell Zum Stolpern“ kommen sollen.
Die allerersten Steine wurden in Berlin-Kreuzberg noch ohne Geneh- migung der zuständigen städtischen Amter in den Bürgersteig eingelassen, in?wischen gibt es kaum noch Ge— meinden, die sich widersetzen. Die prominenteste Enthaltung übt die Stadt München: Oberbürgermeister Ude und die hier lebende neue Präsi- dentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sind der Meinung, dass auf„Stolper- steinen“ die Opfer erneut mit Füßen getreten würden.
Von Wyk auf der Insel Föhr bis Zittau, von Flensburg bis Uberlingen kann man die Messingplatten im Pfla- ster finden, geschändet bisher nur in Pasewalk Mecklenburg-Vorpommern und Garz auf Rügen, nächtlich wieder ausgegraben in Halle. Zahlreiche ört- liche Initiativen liefern die Daten, su- chen nach Angehörigen, verhandeln mit Amtern und gestalten einen wür- digen Rahmen für die Verlegung. Be- Sonders eindrucksvoll hat Demnig die Verlegung für ein Mitglied der Zeugen Jehovas in Köln in Frinnerung, als 250 Anwesende den Verkehr in der Straße zum Erliegen brachten.
Die Initiative in Frankfurt am Main hat seit 2003 mehr als 120 Steine verle- gen lassen. Darunter bisher einige weni- ge für nicht-jüdische Opfer, deren Daten nicht wie die der jũdischen aus einer Da-


