Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 31
zungsweise ein Viertel der beteiligten SS-Angehörigen. SS-Oberscharführer Hõcker wird auf Seite 151 mit einem an- deren SS-Offizier verwechselt, dessen Jacke im Gegensatz zu Höckers Ober- rock, der auf anderen Fotos im Album sichtbar jst, jedoch überhaupt keinen Schlitz hat. SSRottenführer Stefan Ba- retzki wird auf Seite 146 fãlschlicherwei- se als SS-Wachmann' bezeichnet. Ba- ret?ki versah in seiner Funktion als Blockführer Rampendienst, er war zu diesem Zeitpunkt Kkeineswegs als Wach- mann in Auschwitz eingesetzt.
Durch die sparsame Bildkommen- tierung und Interpretation gehen wert- volle Informationen verloren. Die Bear- beitung bleibt oberflächlich, da die Bilder nicht nur durch die auf ihnen ab- gebildeten Menschen leben, sondern auch durch ihre Lagerumgebung, auf die in dem Bildband kaum aufmerksam ge- macht wird. Die Edition verstellt gera- dezu den Blick auf Petails. So wird zum Beispiel auf Seite 107 die an der Vieh- waggonwand angebrachte Aufschrift Peutsche Reichsbahn' hervorgehoben, nicht aber die daneben stehende leuch- tende Schrift, die verrãt, wie viele Juden im Waggon eingepfercht waren.
Auf Seite 117 wird überhaupt nicht auf das am Bildrand erkennbare und mit Besen ausgerüstete Häftlings-Aufräum- kommando und auf den SSPosten auf- merksam gemacht. Stattdessen heißt es banal und lakonisch: Nie in Auschwit?z angekommenen Juden kümmern sich um ihr Gepäck'. Gerade die Tatsache, dass die Fotos viel über den Lager und Hãftlingsalltag preisgeben, macht die im Album enthaltenen fotografischen Zeugnisse jedoch so bedeutsam und un- terscheidet sie Zzum Beispiel von den in Auschwitz aufgefundenen Privatfotos der Opfer, die nichts ũber Auschwitz aus-
sagen, sondern nur über das Leben vor der Vernichtung.
Letztlich sind es Details, die dem Betrachter einen näheren Einblick in die ferne und fremde Welt von Ausch- wit? verschaffen, einen Blick in das Int nemleben der Mordfabrik. Der Wert der Fotos liegt darin, dass auf ihnen un- glaublich viel zu entdecken ist, Ausch- wit? ein Gesicht bekommt und der oft- mals allzu abstrakt geschilderte und hi- storisch Kommentierte Lageralltag auf erschũtternde Weise lebendig wird. Die- ser Umstand macht es geradezu erfor- derlich, die Bilder gründlich zu analy- sieren. In wenigen Rahren schon werden die jüngsten Nachgeborenen-Genera- tionen durch den immer grõßeren zeitli- chen und emotionalen Abstand Schwie- rigkeiten haben, die Fotos einzuordnen. Sie haben das Recht, alle zur Verfügung stehenden Informationen leicht ver- ständlich aufbereitet zu bekommmen und vom neuesten Forschungsstand und der Technik der Bildanalyse zu profitieren.
Namensgebung
Die Absicht der Herausgeber, den Opfern ihre Namen zurückzugeben, gehört zu den ehremwerten Stärken die- ses Bildbands. Die Opfer werden aus iht rer Anonymität entlassen. Eine Na- mensgebung ermöglicht weiterführen- de personenbezogene Recherchen. In jahrelangen Nachforschungen wurden abgebildete Personen in mühsamer Kleinstarbeit identifiziert, dafür wurden unzählige Uberlebende befragt. Seit 1994 wurden die ermittelten Namen in eine Datenbank der Gedenkstätte Vad Vashem eingespeist.
Von den 225 im Buch benannten Per- sonen darunter befinden sich 11 Mehr- fachidentifizierungen- haben angeblich 71 Menschen Auschwitz überlebt. Ein Namensverzeichnis im Anhang des A-


