6 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Der„kleine Pole“ und Kommandant Höß
Wie Hãäftling Jozef Paczynski Friseur wurde
„. Otto Küssel, Häftling Nr. 2, der den Arbeitseinsatz leitete, suchte mich aus und beschäftigte mich in dem von seinem Kameraden Arno Ben, Nr. 8, ge- leiteten Friseurladen. Ich wurde durch- aus gut behandelt. In dem Laden wurden verschiedene Friseurartikel und Kosme- tika verkauft. Außerdem gab es ein paar Frisiersessel. Zu meinen Pflichten gehör- te es, sauber zu machen, aufzuräumen und neue Ware in den Regalen auszule- gen. Zutritt zu dem Laden hatten natür- lich nur Deutsche. Arno arbeitete als Fri- seur, und ich war sein Gehilfe. Man kann sagen, ich war sein Lehrling. Bei Arno ließen sich Offiziere rasieren und die Haare schneiden, darunter auch Kom- mandant Hõß.
Nach einiger Zeit versuchte auch ich mich im Haareschneiden. Und so fing es an. Die ganzen vier Jahre und sieben Monate arbeitete ich unter den Deut- schen. Nach einiger Zeit fiel Arno Ben, der Hõß die Haare schnitt, in Ungnade. Es kamen SS-Leute, fesselten ihn, und dann habe ich ihn nie mehr gesehen. An seiner Stelle übernahm ein an— derer Deutscher, ein rückfãlliger Krimineller (ebenfalls Friseur), die Funktion des Kapo. Et- was später kam Höß, † Setzte sich, und der neue Deutsche schnitt ihm die Haare. Doch nach zwei Wochen kam statt HöB ein Unteroffizier der S8 und sagte, Kommandant Höß wünsche, der kKleine Pole' solle kommen, um
den. Der kleine Pole', das war ich. Mir zitterten Hãnde und Füße. Ringsum gab es s0 viele gelernte Friseure, und nun Sollte dieser kleine Pole kommen?ꝰ
Doch Befehl ist Befehl. Die Jungs packten die nõtigen Uterilien zusam- men und schärften mir Rasiermesser (das konnte ich nãmlich nicht). Und der Unteroffizier führte mich zur Villa von Kommandant Höß. Am JTor übernahm mich Frau Hõß. Ich war furchtbar einge- schüchtert. Man brachte mich ins Bade- zimmer. Port stand schon ein Stuhl be- reit. Einen Augenblick spãter kam Hõß. Ich stand stramm. Er setzte sich, nahm eine Zeitung, steckte seine Zigarre in den Mund und sagte keinen Ton. Kein Wort von mir an ihn, keines von ihm an mich. Ich war sprachlos vor Angst, und er aus Ekel vor den Hãftlingen.
Ich hatte geschen, wie Arno ihn fri— siert hatte, und machte es genauso. Ds war kein Kunststück. Ich schnitt ihm die
Haare und packte alles Zusammen. Der Unteroffizier kam und brachte mich
ihm die Haare zu schnei- korski:„Sie haben überlebt“, Warschau 2002


