12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Das Grauen ist überall gegenwärtig
Pin Besuch in der Gedenkstätte Auschwit? Bewahrung der Erinnerung und Dokumentation der Geschichte
Von Annedore Smith
„Der Dichter Dante hatte Keine Ah- nling, wie es in der Hõlle alissieht. Die wre Hölle war in Birenau.“ Diese Worte des polnischen Auschwit?z- Uberlebenden Tadeusz Sobolewicz hallen beim Gang durch das ehemali- ge Konzentrationslager überall wie- der. Auschwitz-Birkenau zeugt allein schon von seinen immensen Aus- maßen her von einer Dimension des Grauens, die jede Vorstellungskraft übersteigt. Im Stammlager Auschwit? I wiederum wird vor allem deutlich, welche Verzweiflung damals in den en- gen Zellen des Häftlingsbaus ge- herrscht haben muss.
Das riesige Konzentrationslager in Oswiecim westlich von Krakau wurde im Juli 1947— zweieinhalb Jahre nach der Befreiung durch die sowjetische Armee- von der polnischen Regie- rung zum Nationaldenkmal erklärt. Auschwitz ist heute Gedenkstätte und Staatliches Museum sowie Dokumen- tationsstelle und Archiv für die Ge- schichte des Lagers und das Schicksal seiner ehemaligen Insassen. In unmit- telbarer Nähe gibt es die Internatio- nale Jugendbegegnungsstätte mit Seminarräãumen und Ubernachtungs- möglichkeiten. Diese will junge Men- schen über die Verbrechen der Ver- gangenheit informieren, um zur Ver- söhnung der Völker beizutragen.
Das Stammlager Auschwitz I be- tritt der Besucher durch das berüch—
tigte Tor mit der Uberschrift„Arbeit macht frei“- bezeichnend für den perfiden Zynismus der deutschen Nationalsozialisten. Die Gebäude, in denen die Häftlinge damals unterge- bracht waren, sind noch gut erhalten. Neben Informationstafeln gehören Fotos ehemaliger Lagerinsassen, ihre Hãäftlingsuniformen und einige ihrer Habseligkeiten zu den dort ausge- stellten Exponaten- und ebenso die großen Vitrinen mit den Schuhen oder den abgeschorenen Haaren der Ermordeten.
Erschütternd ist ein Besuch im Block 11- dem ehemaligen Häftlings- block und Zellenbau der Lager- gestapo. Hier mussten Todgeweihte ausharren, bevor sie hingerichtet wur- den oder verhungerten. Fin besonde- res Gedenken ist dem katholischen Priester Maximilian Kolbe gewidmet, der sich freiwillig dem Hungertod aus- lieferte, um das Leben eines Familien- vaters Zu retten. Im Hof des Blocks be- findet sich die Todeswand, an der re- gelmäßig Erschießungen stattfanden.
Das Krematorium mit der Gas— kammer schließlich zeugt davon, dass auch im Stammlager perfider Mord an der Tagesordnung war. Das eigentliche Vernichtungslager war jedoch das drei Kilometer entfernte Auschwitz-Bir- kenau. Vom Wachturm am dortigen Haupteingang hat der Besucher einen Ausblick auf das weite Areal von rund


