6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
nach wie vor die Hauptziele, denen sich unser Verein verpflichtet hat. Dafür nahmen Hermann und Anni viele Strapazen auf sich. Anni haff mit, wo sie konnte, und sie hielt vor allem Hermann den Rücken frei. Das heißt, sie organisierte den Alltag des ehemaligen Auschwitz-Häftlings, er- lebte mit, wie ihn seine Albträume plagten, und machte sich Sorgen, wenn er immer wieder seine Kräfte überanstrengte. In einem Interview mit Monika Held sagte sie:„ Es ist v0, dass man eigentlich einen großen Teil von sich selbst auſgehen muss lind aufgibt, wenn man mit jemandem zu Sammen ist, der in Auschwit? war Denn man Kann nicht einfach sagen. Schwamm drüben das Leben geht auch So weiten Die erste Zeit, die mõchte ich vielleicht nicht vo hundert- ProZentig zuriick haben, denn die war Schlimm.“(viehe Seite 20)
Anni hat sich- vor allem in Polen- den Respekt und die Liebe vieler ehe- maliger KZHäftlinge und deren Fa-
milien erworben(Siehe die Ansprache von Janusz Mlynarski auf Seite 1). Je- doch auch jüngere Menschen, die sie bei Studienreisen und Veranstaltun- gen kennen lernten, waren beein- druckt und bewunderten die Selbst- verständlichkeit ihres Engagement, das ansteckend wirkte und Zur Mithil- fe motivierte. Dabei konnte Anni durchaus ein schwieriger und unein- sichtiger Mensch sein. Mit einer ihr eignen Sturheit verprellte sie mitunter Freunde und Bekannte, aber dann kam auch wieder ihre charmante Seite zum Ausdruck,„als wir uns dann wie- der trafen, empfing sie uns mit einem Rosenstrauß und voller Herzlichkeit“, erinnerte sich eine Freundin.
Annis Finsat?z ging oft über ihre eigenen Belastungsgrenzen hinaus, und dies erwartete sie teils auch von den Helfern, erinnerte Vereinsmit- glied Neidhart Dahlen in seiner An- sprache bei der Trauerfeier in Gam- bach. Er betonte jedoch auch, dass Anni bei aller Arbeit immer ein„of—
Anni mit Kaszimierz Smolen, dem langjährigen Direktor der Gedenkstätte Auschwitz, bei einem Besuch 1998.(Foto: Karin Mihm)


