Heft 
(1993) 2/1993. September 1992
Einzelbild herunterladen

Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Menschen viel zu schwer ist, das al- les zu verstehen. Die Juden und die anderen Opfer sind schon lange Zeit tot. Und die Leute fragen, wozu soll das gut sein, die Welt immer wieder an dieses unaussprechliche Kapitel der Geschichte zu erinnern.

Denen, die so denken- und es mõᷓ gen viele sein- habe ich nichts zu sagen, ich überlasse sie ihren Ge- danken.

Das 20. Jahrhundert, in dem es zwei Weltkriege gegeben hat, Revo- lutionen, Aufstieg und Fall von Welt- reichen, Weltraumreisen und techni- schen Fortschritt, der die Gesell- schaft gründlich verändert hat, die- ses 20. Jahrhundert wird in die Ge- schichte eingehen als das Jahrhun- dert des Holocaust, und dafür ist Auschwitz markantes Symbol. Au- schwitz markiert die Krise der christlichen Zivilisation. Auschwitz ist das Ubel schlechthin in seiner reinsten Form. Es zeigt, in welch bo- denlose Tiefe von Verderbtheit der

Mensch fallen kann, wozu der soge- nanntehomo sapiens, das Krumme Holz?, wie Kant sagt, fähig ist.

Es ist unmöglich, sich eine passen- de Weltanschauung zu zimmern, po- litisch, sozial und religiõs, ohne in Rechnung zu stellen, daß das Ver- trauen an den zivilisierenden Einfluß von Erziehung, der Glaube an die

Vollkommenheit des Menschen schh

als nichtig erwiesen hat.

Ich denke, die schrecklichen Grau- samkeiten, die heute in der Welt passieren, sind indirekt ein Resultat von Hitlers Krieg gegen die Juden. lmmer gab es Kriege in der Ge- schichte, und immer waren sie mehr oder weniger grausam. Aber dieser Krieg hat alle Regeln und Maßstãbe gebrochen. Er zeigt auf schrecklich- ste Weise, welch teuflische Grau- samkeiten Menschen anderen Men- schen antun können, ohne daß die Himmel einstürzen. Das jüdische Volk ist physisch schwer verwundet