Heft 
(1993) 1/1993. April 1993
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

schen NPD-Hochburg Wölfersheim (usammen mit Reps und DUVU über 20 Prozent Wählerstimmen) hatten die Mitglieder der Antifa- Arbeitskreise in Nidda und Gießen auf die Kreuze die Namen der von rechtsrakikalen Tätern ermordeten personen sowie der deutschen Ortschaften geschrieben, die durch besondere Gewaltaktionen 2u trau- riger Berühmtheit gelangten. Oli Brack und Tina Patzelt hatten an der Wölfersheimer Demo teigenommen und die Kreuze in Gießen zur Aus- Stellung mitgenommen.

Weil der Besucherandrang über Erwarten groß war, wurde die Aus- stellung vier Tage verlängert. Uberr 1000 EFinzelpersonen und genau 8 Gruppen wurden gezählt. insgesamt haben rund 4300 Besucher in Gie- Ben den Weg in die Ausstellung ge- sucht, berichtete Oli Brack. Kurzfri- Stig hatte sich am letzten Tag noch Sieben Jugendliche und zwei Betreu- er der Jugendfeuerwehr Grünberg- Reinhardtshein angemeldet. Vor Be- ginn der Föhrung erklärte innen Oli Brack, daß die Ausstellung nicht Auschwitzerklären' könne, dies Sei unmöglich. Vielmehr gehe es darum, durch den Versuch der Beschrei- bung sich dem Thema zu nähern.

Kurz zuvor hatte der 21jährige Ausstellungsführer ein langes Ge- spräch mit einer alten Bekannten. Die heute 88jährige Anna Spar hat- te sich von der Kleinstadt Lich nach Gießen fahren lassen, um die Aus- Stellung 2u sehen. Vor über fünf Jah- ren hatten sich Ol Brack und Anna Spar kennengelernt. Eine Arbeits- 9ruppe der Dietrich-Bonhoeffer- Schule hatte damals bei dem Projekt Spurensuche' Erkundungen 2ur NS-Zeit in Lich angestellt. Anna Spar war eine der wenigen Zeitzeu- gen, die bereitwillig den Schülerin- nen und Schlern Auskunft gab. Sie war bis 1933 im Haushalt der jüdi-

schen Familie Chambre beschäftigt und hatte miterlebt, wie die ortsan- Sässigen Nazis in einem frühen Po- 9rom die Famile vertrieb und den Besitz plünderte. Als einziger Ange- höriger überlebte der Sohn Ernst Chambrée die Zeit desſau- Sendjãhrigen Reichs. Mit inm, der in New Vork lebt, hat Anna Spar immer noch Brief- und Telefonkontakt.

Die 88jährige Licherin gehörte zu den ungefähr 40 älteren Menschen, die nach Schätzung von Oli Brack die Ausstellung besucht haben. Der überwiegende Jeil der Besucher Setzte sich aus Schulklassen und Jugendgruppen mit Teinehmern bis zum Ater von 25 bis 30 Jahren zu- Sammen. Die Atersgruppen 2zwi schen 30 und 60 waren fast gar nicht vertretenGanz selten, daß mal eine Mutter mit Sohn oder Toch- ter dabei war?, erinnert sich Oli.

Nicht nur die große Anzahl der Führungen, bereiteten Tina und Oli einenHeidenstreß', auch die Tatsa- che, daß ein großer Jeil der Gruppen miserabel' vorbereitet war, machte es nicht leicht. Zum ſeil sei esecht Schlimm' gewesen, wie wenig man- che Jugendliche wußBten. Anderer- Seits Sei es erfreulich, daß es viele Fragen gab, die bereitstehende Handbibliothek oft benutzt wurde und zum Feil auch noch Tage nach der Führung, Teinehmer anriefen und um weitere Auskönfte sowie um Literatur-Tips baten. Manche enga- gierte Lehrer kamen mit ſeilgruppen mehrmals und dies auch noch nach Beginn der Osterferien.

Bei den immerhin über 60minütigen Führungen blieben die Gruppenteilnehmer auchbei der Stange', erzählte Oli Brack. Zwar Seien hin und wieder auch gelang- weilte Gesichter zu sehen gewesen, aber daß jemand sich weigerte, wei- ter mit zu machen oder geäuert ha- be, daß der Ausstellungsbesuch