Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.
Anfangstätigkeit des Museums hatte des- halb viele Elemente spontaner Improvisati- on. Man muß außerdem noch unterstrei- chen, daß die Mitarbeiterzahl sehr klein war (1955 ca. 4050 Personen). Zusätzlich litt das Museum seit Beginn bis heute an feh- lenden Finanzmitteln.
Diese Einleitung ist deshalb unentbehrlich, da seit einiger Zeit das Interesse an dem weiteren Schicksal der Gedenkstätte sehr groß ist. Man sollte aber nicht vergessen, daß diese schon oft alarmierend auf die Verschlechterung des Erhalts der Objekte und die unzureichenden Finanzmittel auf- merksam gemacht hat. Auf die vᷣchwierige Situation hat nicht nur das Museum hinge- wiesen, sondern auch das Internationale Auschwitzkomitee. Diese Apelle fanden zum Beispiel ein Echo in den langjährigen Arbeiten, welche von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, verschiedenen anderen Or- ganisationen und der Lagergemeinschaft Auschwitz geleistet wurden. Diese Unter- stützung war sehr unterschiedlich, anfangs unter anderem in Form von Hilfsarbeiten zum Erhalt des Geländes und von Spenden, wie Büromaterial, Kopierapparaten und Fo- tomaterial. Diese Hilfe war und ist sehr wertvoll, sie ermöglicht jedoch nicht die faktische Tätigkeit des Museums.
Seit über 45 Jahren lastet das Hauptgewicht der Finanzierung auf Seiten des polnischen Staates. Dank des Rats der Gedenkstätte, welcher neben dem Ministerium für Kultur und Kunst einberufen wurde, konnte man viele Aufgaben ausführen und finanzieren. Hier muß man feststellen, daß Auschwitz- Birkenau auf dem Gebiet steht, auf dem vorher polnische Menschen lebten. Sie wurden ohne Entschädigung ausgesiedelt. Diese Entschädigung wurde aus dem Bud- get des polnischen Staates bezahlt. Die Summe war sehr hoch(1956 ca. 60 Mio. Z.
Nur für die konservatorischen Arbeiten hat man dem Museum große Mittel zur Verfü-
gung gestellt. Dieser große Beistand des polnischen Staates hat es ermöglicht, daß die Objekte weiterhin stehen, obgleich in einem sehr schlechten Zustand. 1956 hat das Museum ein Programm und einen Zeit- plan für die konservatorischen Arbeiten er- stellt. Man hat alle Objekte und ihren tech- nischen Stand unter konservatorischen Ge- sichtspunkten geprüft und Richtlinien für ihren Erhalt erarbeitet. Me diese Richtlini- en hat man realisiert, wobei man dem Grundsatz folgte, daß die Objekte in ihrem Originalzustand bleiben sollten, bis auf not- wendige Reparaturen, Verstärkungen und Entwãsserungen. Es wurde nichts abgeris- sen und neu aufgebaut. Diese Arbeit führte oft dazu, da. man eine Baracke auseinan- dernahm, ihre Elemente chemisch behan- delte und sie wieder zusammenbaute. In den gemauerten Baracken in Birkenau, in denen die tragenden Wände der Last des Daches nicht standhielten, hat man die Wãnde geankert. ähnlich behandelte man die Lagerküche in Auschwitz I. Das Gebäu- de der großen Sauna in Birkenau, welches teilweise 1952 einstürzte, baute man aus demselben Material wieder auf und sicherte es. Solche Beispiele kann man vielfach nen- nen. Die überwuchernde Vegetation in Bir- kenau und Auschwitz hat man entfernt, und dies ist eine große Leistung von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste gewesen. Man muß unterstreichen, daß dies eine Sys- sifusarbeit ist, denn es ist ein Kampf gegen die Natur, bei dem aus ökologische Grün- den keine chemischen Mittel eingesetzt werden dürfen.
Ich muß darauf aufmerksam machen, daß das Gebiet über 190 ha umfaßt, die Zahl der Objekte beläuft sich auf über 150 und die Kubatur auf über 400.000 m3. Dies ist so groß wie ein Stadtteil. Ein Stadtteil ohne Bewohner ein ausgestorbener Stadtteil, in dem jede Kleine Zerstörung zu einer Ver- größerung der Degradation des Objektes führt. Das Museum wollte und will die Zahl


