Heft 
(1992) 3/1992. August 1992
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Lagergemeinschaft Auschwitz- F̃reundeskreis der Auschwitzer e. V.

Referat auf dem Podiumsgespräch am 19.6.1992 in Frankfurt am Main von Kazimierz Smolen

Sehr geehrte Damen und Herren!

Noch wäãhrend der Zeit des Bestehens des Kl. Auschwitz waren viele Häftlinge der Meinung, daß dieser Ort, an dem hundert- tausende von Menschen: Männer, Frauen und Kinder, durch Hunger, Schläge Krank- heiten und Exekutionen ermordet und durch Zyklon B in den Gaskammern getötet wur- den, geehrt werden muß.

Natürlich wußte niemand, auf welche Wei- se und in welcher Form dies geschehen soll. Man wußte nur, daß die tragische Ge- Schichte dieses Ortes schon weltbekannt war. Die Informationen über die Nazi-Ver- brechen in Auschwitz wurden durch die Hãftlings· Widerstandsbewegung aus dem Lager herausgeschmuggelt. Dank dieser er- schienen Nachrichten in der illegalen Pres- se; Kommuniques sind nach London ge- langt, vogar in die Schweiz und in die USA. Die Häftlinge von Auschwitz waren davon überzeugt, daß auch wenn sie selbst die Freiheit nicht mehr erleben würden, die Na- tionen, deren Bürger im KL gemartert wur- den, gekämpft haben und umgekommen sind, Auschwitz ehren werden.

Deshalb ist es kein Zufall gewesen, daß schon 1945 ein Mitglied des damaligen pol- nischen Parlaments, Dr. Mfred Fider kie- v¶cz, Selbst ein ehemaliger Auschwitz Hãäft ling, im Namen einer Gruppe von Abgeord- neten einen Antrag stellte, daß Auschwit?z und Majdanek geehrt werden sollen. Ob- wohl das Land Polen wirtschaftlich und biologisch ruiniert und viele Städte und Pörfer zerstõrt waren, wurde dieser Antrag einstimmig angenommen. Ein Geset? wur- de verabschiedet, das berücksichtigte, daß das Gebiet und die Objekte des ehemaligen KI als Denkmäler des Martyriums der pol- nischen und anderer Nationen zu betrachten Sind. Aus diesem Grunde wurde Polen zum

Realisator des Testaments der Opfer der Nazi Menschenverbrechen. Diese Pflicht war eine große Ehre, wenn auch eine sehr schwere Aufgabe.

Das 1947 herausgegebene Gesetz stellte fest, daß das Terrain des ehemaligen KI. Auschwitz einschließlich der sich dort be- findenden Objekte und Einrichtun- gen'( für ewige Zeiten? erhalten bleiben müssen. Die Pflege wurde dem Staatlichen Museum Auschwitz übergeben.

In dem Moment, in dem das Museum ins Leben gerufen wurde, existierte keine ver- gleichbare Einrichtung, an der man sich hãtte orientieren können, um ein Programm zu erarbeiten. Deshalb hat man eine ge- schichtliche Kommission und spãter einen Museumsrat eingerichtet, in denen viele Diskussionen geführt wurden., durch wel- che die Grundlagen der Arbeit des Mu- Seums festgelegt wurden.

Wãhrend dieser Diskussionen, in denen die Form dieser Stätte besprochen wurde, bemühte man sich festzustellen, ob es ein Museum, ein geschichtliches Institut, ein Denkmal oder ein Friedhof sei.

Im Laufe der Zeit, und bestimmt seit 1956, Stellte man fest, daß das Museum in Ausch- witz alle diese Funktionen erfüllt. Der Aus- stellungsteil, die Führungen durch die Ex- position und das Gelãnde, sind sicher Funk- tionen eines Museums. Das Sammeln und

Verwerten von Dokumenten, die Untersu- 6

chungen in den Archiven und dem Gelãnde, das Schreiben von historischen Arbeiten, die Vorlesungen und Veröffentlichungen von Bearbeitungen sind Aufgaben eines Im stituts. Die Erhaltung und die Konservie- rung von Objekten muß man der Denkmal- pflege zurechnen.

Aus dem Obigen geht hervor, daß die Auf- gaben, die sich die ersten Mitarbeiter stell ten, zu vielfältig waren für die Möglichkei- ten des Museums. Diese ersten Mitarbeiter einschließlich des Direktors waren hauptsãchlich ehemalige Häftlinge. Die