Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.
Wegen dieses Krieges
Wegen dieses Krieges von Orna Ben-Dor Niv handelt von den Nachwirkungen des Holocaust auf die nach„jenem Krieg“ in Israel geborenen Kindert ein in der israelischen Offenilichkeit bisher wenig diskutiertes Thema. im Privatle- ben zahlreicher israelischer Familien aber ein Trauma.
Im Mittelpunkt des Films stehen vier Menschen aus beiden Generationen: Der Rocksänger Vehuda Poliker und sein Freund und Produzent Makov Gilad— zwei populäre und engagierte Vertreter der israelischen Musikszene. Sie haben nicht nur über die Musik zusammengefunden, sondern auch über die Geschichte ihrer Eltern. Uberlebende des Holo- caust. die das Leben der Jüngeren nachhaltig beeinflussen.
Polikers Vater Jaco wurde von Saloniki aus in ein Vernich- tungslager geschickt. Seine Frau. sein Sohn und die jünge- ren Brüder wurden umgebracht, er selbst überlebte das Lager. Gilads Mutter Halina Birenbaum war zehn Jahre alt. als die Nazis Warschau besetzten. sie entkam in letzter Minute der Gaskammer.
Der Film zeigt eindringlich, aber zurückhaltend, überwie- Lond heschränkt auf die Dokumentation von Gesprächen in den Familien. wie die beiden umerschiedlichen Men- schen Jaco Poliker und Halina Birenbaum doch in ähnlicher Weise ihre Vergangenheit zu bewältigen versuchen: Sie wie- derholen tagtäglich und fast zwanghaft ihre Geschichte. um die Erinnerung. venn schon nicht los zu werden. wenig- stens ertragen zu können. Und die Hüngeren müssen immer wieder zuhören. obwohl sie es cigemlich irgendwann nicht mehr hören wollen. Sie müssen die wiederkehrenden Alp- träume der Eltern ertragen, ihre Verbote. die übersteigerte Furcht vor Verlusten. vor dem Weggehen zum Spielen auf dem Hof. Schließlich nehmen die Kinder— selbst schon erwachsen— sogar Einschränkungen ihrer Freiheit in Kauf.
Der Film zeigt, wie die Jungen und die Alten mit einem Leben voller Schuldgefühle umgehen. Sie tun dies produk- tiv: Mhuda Poliker und Vaakov Gilad verarbeiten in ihrer Musik die Geschichte ihrer Familien; Gilads Mutter schreibt Texte für diese Lieder. sie veröffentlicht Gedichte und Werke ermordeter Schriſisteller, sie hält Vorträge und schreibt eine Biographie über Polikers Vuter Jaco.
Der Film ist sicher ein Beitrag. Erinnerung wach zu halten: seine Stärke liegt aber vor allem darin, das Tabu der Aus- wirkungen des Holocaust auf die Kinder der Uberlebenden öhentlich?u machen.
Montag, 9. Nov. 1992 um 19.30 Uhr
Hugenottenhalle Neu Isenburg
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