Heft 
(1992) 1/1992. Januar 1992
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 37

Denn mit der parteipolitisch, weltan- schaulich oder geschichtspolitisch gerechtfertigten bewußten Veren- 9ung unseres Blickes können wir niemals das Anliegen einer Bestre- bung erfassen, deren Kennzeichen nicht die politische Homogenitãt, sondern die Willensbildung aus der akzeptierten Heterogenität, ja Ge- 9ensätzlichkeit war.

5 der politischen Auseinanderset-

zung, die innerhalb der BRegime- 9eonerschaft geführt wurde, liegt deshalb ebenso ein Zeichen wie in den Taten der Widerständigkeit Selbst. Und als Nachgeborene wer- den wir niemals die geringste Chance haben, die Willensbildung aus Vielfältigkeit, die Vertrauens- bildung über die Grenzen politischer Lager hinweg, die Toleranz gegen- öber allen, die eigene Positionen und Vorurteile überwanden, zu ak- Zeptieren, wenn wir daran gehen, den Widerstand zu Hassifizieren- ihn einzuteilen in gut und schlecht, in rechts und links, in demokratisch und totalitãr.

Und selbst wenn wir in diesen Kate- 8 denken, um Karheit inner-

halb eines unübersichtlichen Feldes der Zeitgeschichte und unserer Er- innerung zu schaffen, geben uns diese Kategorien kein Kriterium an die Hand, um uns als Zensoren der Widerstandsgeschichte zu profilie- ren.

ch denke, auch die heutige Stunde Spiegelt unseren Willen, das ganze Spektrum des Widerstandes vor das Auge und damit in das Bewußtsein zu röcken. Zum Widerstand gegen

den Nationalsozialismus gehört der 20. Juli 1944 ebenso wie der Wider- stand der Ersten Stunde, die Zivilt courage im nationalsozialistischen Alltag, der Kampf gegen das Re- gime von außen: aus dem Eil, als Deutscher in allierten Armeen, als Anti-Nazi in den Gefangenenla- 9ern, dazu gehört die Desertion aus politischen Gründen und um der ei- genen Seele willen, das Aufpäumen des einzelnen in den allerletzten Krieqstagen, die Solidarität mit Fremdarbeitern und Krieqs gefangenen, die Offnung für Dimen- sionen einer Weltoffenen Kultur, 20 der auch die SwingMusik gehörte, das Interesse an der Herkunft von Mitmenschen, die als Untermen- schen dem Zogriff preisgegeben wurden.

Menschen, die als Begimegegner überlebten, waren nach dem Krieg nicht selten ebenso ein Stachel im Fleisch der Gesellschaft wie zuvor, denn sie standen persönlich gegen alle Selbstentlastungsversuche von Zeitgenossen, die keine Selbster forschung, sondern Selbstentschul- diqung wollten. Sie verkörperten Alternativen, die deutich machten. daß Widerstand einen hohen Preis forderte, aber daß er sich lohnte, sie brachen alle geschichtspolitischen Verengungen auf, die sich angeblich durch das Kriterium einer vor- Konstitutionell ausgeweiteten Treue zur Verfassungsordnung des Grundt 9esetzes rechtfertigen wollten.

Sie verdienen unseren Bespekt, 9ewiß- aber wir brauchen sie viel mehr, um instrumentalisierungen und Verengungen unseres Bildes