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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.
rung an kommunistischen Zielen diskreditiert werden kann. Es ging nicht darum, den Teufel Hitler mit dem, wei man vor allem in rechts- konseWativmilitãrischen, angeblich Soldatisch kameradschaftlichen“ Kreisen betonte, Beelzebub Stalin“ 20 bekämpfen, denn der Widerstand rechtfertigte sich niemals nur ord- nungspolitisch, sondern durch seine mitmenschliche Verantwortung für Verbrechen, die mit dem NSRe- 9ime unauflöslich zusammenhän- 9en.
in den Jahren bis zum Beginn des Krieges, der für die Nationalsoziali- sten immer Bassen- und Weltan- schauungskrieg war und so immer durch verbrecherische Perspektiven 9eprägt blieb, die niemals nur Be- 9leiterscheinungen der Kämpfe wa- ren, sondern Kriegsziele symboli- sierten, zeichneten sich Konturen einer Gemeinsamkeit ab, die 2u— nehmend konfessionelle Grenzen, Soziale Schranken und politische GSegensätze Uberwandt.
Hitlers Herrschaft zu überwinden, dies war das Ziel- die Frage der Nachkriegsordnung war auf einem anderen Feld der Auseinanderset- zung zu Kären. So verschränkten Sich unterschiedliche Fraditionen 2u einem Gewebe, das nicht kontu- renlos blieb, Sondern sich aus dem Wunsch vieler Regimegegner er- Kärte, zugleich ihre ſdentität 2u wahren und dennoch aus dem Ge- föhl der Gemeinsamkeit heraus Verbindungen zu Fremden, zu An— deren, sogar zU jenen herzustellen, die man aus politischen Gründen ablehnte.
Bei alen Brüchen und Kontinuitãten Sschält sich so im Widerstand der Anspruch heraus, sich mit der Geq nerschaft zum Begime für cie Würde ganz unterschiedicher Mi- menschen zu entscheiden, die dazu ausnahmslos Selbstzweifel öüber- winden und in ihrer Entscheidung ein Bekenntnis für ihre Verantwor- tung, für ihren Mut und ihre Courage ablegen mußten. Sie stellten sich in
einem Meer der Anpassung gegeh
die Mehrheiten, gegen das, was 6i politische Führung als Becht und Gehorsam definierte, sie verwei- 9erten sich den Spiralen des Schweigens und leisteten so ihren Beitrag zu dem Versuch, die Kontu— ren einer menschenwürdigen Ord- nung, die nur als Gegenbild des Un- rechtsstaaates konkretisiert werden konnte, nicht nur als Utopie zu ent- werfen, sondern in ihrem eigenen und ganz persõnlichen Handlungs- bereich zu verwirklichen.
Dies konnte die Familie, die Nach- barschaft, die Arztpravis, aber auch die Verwaltung, die Wehr- machtseinheit oder das Gefange- nenlager sein. Die Methoden zur Verwirklichung dieser Utopie ware vielfãltig und reichten von der per- Ssönlichen Hilfe für den Bedrohten oder Verfolgten über den Protest bis zur Desertion und zur aktiven Kon- Spiration, die keine Deckung mehr kannte und gleichsam alle gefähr- dete, die im Umkreis der Re- 9imegegner lebten: Frauen, Eltern, Kinder und Freunde. Regimegegner fanden so zu einer neuen Form po- litischer Willensbidung, die alle Verengungen unseres Geschichts- bildes sprengt.


