Heft 
(1989) Nr. 15. Juni 1989
Einzelbild herunterladen

Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Arzie arbeiteten. auch ihre Finger drin. s0 wie sie mir zu einer leichten Arbeit unter Dach verholſen haben. Da wurde man auch weniger von den Capos und der SS schika- nier.

Hermann Langbein wat Lagerschteiber und half Vabeau aus dem Vodesſager

Mit vier Freunden aus dem Lagerspital habe ich dann die ersten Gedanken an eine Flucht besprochen. Dafür bot sich Birken- au eher an., weil es im Stammlager Ausch- witz viel mehr und straſſer organisierie SS-Einhejten gegeben hai.

Erst wollien wir es mit dem Roikreuz- Krankenwagen machen. der aus dem Lager hinaus in die Apotheken und Lagerhäuser ſahren durſie. Mit einem der Freunde und dem(natürlich eingeweihten) Fahrer machte ich zunächst drei Ausſahrien zur Erkundung.

lrgend eiwas ließ uns dann aber an der Ehrlichkeit des Fahrers immerhin SS- Mann zweiſeln. Zwei von uns gaben den Plan überhaupt auf. ich wollie aber mit den beiden anderen troizdem raus wenn es sein mußte, direkt durch den Drahi.

ln den ersten Augusttagen begann die Vorbereitung. lch als Schreiber in der Spilalbaracke konnie isolierende Gummi- handschuhe besorgen: in der Elektriker- gruppe inſormiere ich mich, wie die Hochspannungssysteme der Zäune ange- legi waren.

Wir wollien einen Kurzschluß auslösen. der die Lampen oben am Drahtverhau verlöschen lassen sollie. Dann würden die Maschinengewehr-Posten oben auf den Wachuürmen nichis schen vor allem. wenn wir nachis. bei schlechtem Herbsi- weter. vielleicht sogar bei Nebel. ſlüchten sollien.

lsoliere Zangen waren im Vergleich zu den Gummihandschuhen leichtzu kriegen. und die nõtige Zivilkleidung war auch kein Problem. weil im Zigeunerlager ja alle damit herumlieſen. Nur der auf den Rücken gemalie rote Streiſen(von amili- cher- Olſarbe) mußie durch Leimſarbe erseizt werden. die man dann draußen abbröckeln konnte.

Zuleizt besorgien wir eine lange Siange. die am oberen Ende einen eineinhalb Meter langen. blanken Draht haue. Den wollten wir quer über die beiden stromſührenden Zaunlinien werſen, um den nötigen Kurz- schluß auszulösen.(Das war nõtig. weil wir nicht wußien. ob die Beleuchtung und der Zaun wirklich aus denselben Stromquellen gespeist wurden.)

Weiß Gou. wie oſt wir die Flucht im Geist durchgespielt haben: auch haben wir höchst reale Obungen unternommen, den Draht zu durchschneiden. Schließlich leg- ten wir den Fluchttermin ſes: Am 19. No- vember sollie es losgehen. Seit zwei Wo- chen hauen wir uns die Haare nicht mehr rasieri. um den langhaarigen Zigeunern zu ähneln. Das war nicht veiter riskant, denn der Lagerführer war nicht besonders scharf in diesen Dingen: ein 2ljähriger. der sich alle Zähne hatte ziehen lassen bloß um nicht an die Front zu müssen.

Dann kam der Tag der Flucht.

Alles lief wie am Schnürchen. aber dann spielie uns die Geſährlichkeit der Zigeuner- lie be einen Streich. Nur waren wir nicht in Carmen', sondern in Birkenau.

Da gab es eine deuische Zigeunerin. Ani Schmidi sie war Putzfrau in der Spitals- baracke und bis über beide Ohren in mich verlie bi. So ſand sie die ganzen Fluchige- genstände unter meinem Bei und sagie mir aufden Kopfzu. daß ich ſliehen wollte. Ich bestriu das aber sie wollie nicht etwa mitgenommen werden. sondern sie wollie mich hierbehalten.

Als ich aufihre Biuen nicht reagiene, lief sie zu meinem Kollegen Zygmunt Poci- echa, mit dem sie mich oft gesehen haue. Ach. der war ein schwacher Charakter. der bangte um sein eigenes Leben und meldeie alles dem Lageräliesten: der beſahl mich zu sich. ich konnte gerade noch die Sachen wieder in ihr ursprüngliches Versteck brin- gen.

Lange brachte Ani dor kein Wort her- aus: Sie ahnte wohl. was es hieß. wenn sie spräche. Doch dann war es schließlich heraus. und der Lageräãlieste schickte nach den SS-Männern. Glück im Unglück. daß er selber vor Angst schlottere. denn gleich darauf hieß er mich soſort mit ihm mit-