Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.
D r. Jerzy Tabeau is Dozenider Kardio- logie und leitet eine Abieilung am Stadispital von Krakau. Der heute 69ãh- rige ist 1942 verhaſtet und ins KZ Ausch- witz eingelieſer worden. Der damals 2ljährige war in der Untergrundbewegung akliv gewesen.
Nach einer dramatischen Flucht im November 1943 schrieb er einen minutiös genauen Bericht über das Lagerleben und die Vergasungen. Dieser ersie authentische Bericht eines polnischen Majors- war im Frühjahr 1944 in Händen der Alliiernen. Er wurde zur Grundlage der vehemenien Forderungen, Auschwitz und die dorhin [ührenden Bahnlinien zu bombardieren.
Dr. Jerzy Tabeau, Minutiõs berichtete Tabeau über den
Massenmord. Aber die Alierten reagjerten nicht
Diese Forderungen wurden in den USA und England mit der Begründung abge- lehnt. die Zerstörung deuitscher Industrie- anlagen sei wichtiger.
Bis 1981 war der Verſasser des Berichtes unbekannt geblieben. Erst der britische Forscher Martin Gilben ſand ihn bei Durchsicht Winston Churchills privater Dokumente als Ausgangspunkt fſür das massive(und erſolglose) Engagement des premiers ſür eine Bombardierung von Auschwitz. ln seinem Buch Auschwitz und die Alliienen? zeichneie der Historiker Gilbert die damaligen Ereignisse auf und erschüterie damit die Oſfeniichkeit der angelsächsischen Länder.
Jerzy Tabeau aber. der fortan als Held hätic geſeier werden müssen hüllie sich weiter in Schweigen.
Heute muß der 69jãhrige keine Nachteile mehr beſürchten. Er hat proſil als erstem vestlichen Medium die Geschichte seiner FHuchterzähli.
Sie hat am Beginn und am Ende einen Bezug zu Osterreich: Art Beginn stand in Auschwitz die Hilſe des österreichischen Widersiandskämpſers und KHäſilings Hermann Langbein. Ohne ihn wären diese Flucht und ihre Konsequenzen nicht mög- lich gewesen: Langbein war Lagerschreiber und führender Kopf des Widerstandes in Auschwitz. Am Ende sieht Jerzy Tabeaus Tochier. die heute als Apothekerin in Wien lebi.
Die Flucht durch den Zaun war so gut wie unmöglich. Es ist nur ein derartiger Fall in der Lagergeschichte von A. bekannt geworden. der auch gut endeie: Die Flucht der Häſtlinge Romek Cieliczko und Jerzy Wesolovski. dessen eigentlicher Name Tabeau isi. Am 19. November 1943 Hlohen sie aus dem Lager Birkenau.
Dr. Jerzy Tabeau(alias Wesolowski) ist zweimal zur Weli gekommen. Erstmals 1921. zum zweitenmal am 19. November 1943. als ihm die Flucht aus dem Konzen- trationslager Auschwitz gelang.
Er berichtet:
Schon 1939 hatte ich als Medizinstu- dent im Unitergrund gearbeitet. unter ſal- schem Namen natürlich. Ende Februar la2 sitze ich mit vier Kommilitonen in der Mensa. kommit die Polizei und verhaſtet alle. lch konnie noch weg. aber mich haben sie dann in der Straßenbahn erwischt. Aber es war ein Zuſall. die wußien nicht, daß wir im Untergrund waren. Die haben uns verhaſtet. weil wir Studenten waren. Da- mals war lntelligenz der häuſigste Hafi- grund. Die vier sind so wie ich nach Auschwitz gebracht worden. So wie mir konnte man ihnen nichis nachweisen- und troizdem sind sie alle in Auschwitz umge- kommen. Wenn die herausbekommen hät- len. daß ich Kolporieur der Untergrund- presse war. wäre es mir auch nicht anders ergangen.
Slat des Jerzy Tabeau kam eben ein Jerzy Wesolowski im Lager an. Das Früh- hahrswetier warscheußlich. schwere Arbeit im Abbruchkommando und beim Kanal- graben haben gemeinsam mit den Prügeln und den stundenlangen Appellen eine Lungenenkündung hervorgeruſen. Ein Wunder. daß ich trou hohen Fiebers nicht ins Gas geschickt wurde. Vielleicht hauen da zwei Bekannte von mir. die dort als


