Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.
kommen zur SS-Baracke. wo er mich ablieſern wollie.
Es war schon 21 Uhr und dunkel: auch hauc sich einę gan?c Horde von Häſuingen um uns gesammeli. und so wurde der lange Weg ans andere Lagerende hin zur SS-Ba- racke 2u einem unübersichtichen Marsch. begleiiei von Flüchen der Männer und dem Geschrei der unzähligen Zigeunerkinder. lmmer nervöser wurde der Lageräliesie. immer mehr beeilie er sich. da rauszukom- men.
Er bemerkie nicht einmal. daß ich in dem Gewühl einſach verschwand. Ich lief los. erwischte Romek Cieliczko am Armel und keuchie Jetzi.-los! Wir müssen los“ Er begriſſ blitzartig. drehie sich einſach mit mir in Richtung Drahtverhau: ich er- wischle hinler der Barackenecke die Stange. Zangen und Gummihandschuhe, dazu einen Sack Brot. Wir häuen auch Gold miinehmen können, aber das hatte damals weniger Wer als Brot.
Ja. und die Momenie kann ich nie vergessen. Wir zwei waren am Zaun, ich werſe den Draht über die Stromdrãhie, und wirklich geht das Licht aus. Erleichterung., das Herz aimet auſ- abetr da gehi das Licht gleich wieder an, dann wieder wird es dunkler— das war, weil der Draht vom schwungvollen Wurf auf den beiden Zau- nen ianzie. Da spritzien die Funken. Aber auch als er dann ruhig lag. sah man die Scheinwerſer noch immer glimmen.
Mein Gou. was für eine Szene— die Wachiposien auſ den Türmen jagien ganze Serien aus ihren Maschinengewehren auſs Geratewohl den Zaun entlang. In der Kanonade schaſſie Romek es nicht, den Drahi 2u durchtrennen, obwohl das doch hundermal beim Uben guigegangen war. Er. der sonst mit dem Skalpell umzugehen versand. konnie kein Stück Draht durch- zwicken. Aber dann endlich sprang der erste Draht auf- und da gingen dann die nächsien wie Buter. Die weggebogenen Drähie spritzien ebenſalls Funken; ich bog sie mi den Gummihandschuhen, um die ich noch meine Mütze gewickeli hatte. weg.
Damit waren wir nur in einen anderen Lagerabschnit gekommen. jenen mit den Kremaiorien. Aber da war es dann leicht: wir konnien in einem Graben lauſen. der normalerweise beleuchiet war. aber wegen unscrer Drähie im Dunkeln lag.
wWieder schneiden wir vier Drähie: 2wi- Schen zwei Kremaiorien verschwinden wir
im Gebüsch. Was dann kam. war wie ein Alpiraum: sumpſiges Gelände. in dem wir immer tieſer einsanken: wir ſielen, keinen
Schritt konnien wir am Ende mehr ma- chen. und so hauen wir das Bild vor uns. wieder zurück ins Lager zu müssen. Aber wir hauen Glück und ſanden einen Damm, der uns Durchnäßie, Verschmierie zu ei- nem Bahngleis[ühre. Wir ziuerten weni- ger wegen der Kälie.
Da sehen wir ein Schild Pless', wußien nicht. daß das bloß der Name einer winzigen Haliestelle war. Also schlugen wir einen großen Bogen um die vermeindiche Siadi und ſanden einen kleinen Wald mit zwei Bänken. wo wir uns erleichtert und erschöpſi niederließen.
Allerdings nur ſür Minuten- nämlich bis wir erkannien. daß wir ausgerechnet den Stadipark von Ps?czyna erwischt hauen. An einer Landstraße orientierten wir uns ſür die Richtung nach Krakau. Um vier Uhr morgens klopſien wir erschöpſi an die Tür einer völlig heruntergekommenen Kale— es war ein Stall, von dem wir schwachen Lichischein gesehen hauen. Drinnen saß eine alte Frau, die ihre Kuh molk.
Es war ein Risiko, ja. Vor allem, weil wir ja noch die Häſtlingskleidung anhauen— denn häuen wir sie weggeworſen, häuen wir genausogut für die SS-Suchtrupps mit ihren Hunden Wegweiser auſstellen kön- nen. wohin wir gegangen waren.
Aber die Frau war gut= selbst Witwe und mit einem Sohn, der gerade zur Nachi- schicht im Bergwerk war. Sic nahm uns die Hãſuingskleidung ab. zerriß und ver- brannie sic. Sie gab uns zu essen und Milch. dann ein Quartier auf dem Dachboden. Und als morgens der Sohn heimkam. gab er uns seinen Mantel und den Hut. Dann drückie er uns zwanzig Mark in die Hand und wies uns nach dem Frühstũck den Weg zur nächsten Bahnstation.
Ach. was soll ich noch erzãhlen von den Tagen. die wir brauchten. um nach Krakau zu kommen. Der heimliche Obertrit ins Generalgouvernement kostete uns cine Armbanduhr: gleich hinier der Grenze ſanden wir in einem Haus eine Frau. die verzweiſeli auf ihren Sohn warieie. der in Osierreich zur Zwangsarbeit eingeseizi war. Wir erzãhlien ihr unser Schicksal= da ſlossen Tränen und Milch.
Sie versteckie uns einen Tag lang. dann gingen wir nach Zakopane. wo Romeks Familie wohnie. Dort aßen wir so viel. daß wir beide iags darauf krank waren. Sieben Tage brauchten Magen und Gedärm. um sich wieder zu erholen. Es war wie spãier bei der Beſreiung der KZs— da sind ja auch viele. so viele Häſilinge erst an der nicht


