Heft 
(1988) Nr. 14. Dezember 1988
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Lagergemelnschalt Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

war der Haftling vegen politischer aktivitaten inhaftiertorden und hatte er seine Lagererlebnisse nach der Befreiung in politische Arbeit unsetzen können, so trafenir auf ein 6egenüber, das veniger Mühe hatte, sich zu erinnern; Hanen, Zei- ten, Orte zu nennen, Szenen minuziös zu schildern. Lieber berichtete er über Beteiligung an Viderstand, über Sabotage, über Rettungsaktionen, a1s darüber, vas 1n ihn, vas in anderen vorging, an 6Gedanken und 6Gefühlen pass ierte.

iele Fakten, Bestätigung von ver- Schiedenen Freignissen, die 2um groden Teil in der Literatur festge- halten sind.

6 dtesen Gesprachen erhielten vir

Für uns varen solche Interviens leichter durchzuhalten. Die Berichte hatten einen Faden, neist den der Chronologie, nahnen veniger Zeit in Anspruch und varen meist auf etner Cassette unterzubringen. Im oben aufgezeigten Spannungsfeld fanden sie eher aus der Finsicht in die politische Notvendigkeit des Inter- viens statt.

Ganz anders die Erfahrung mit den ehenaligen inhaftierten Frauen und Mannern, die aus anderen Gründen als dem aktiven politischen Viderstand ins Lager kanen: Hier standen die angste vor den aufbrechenden Vunden, die Unsicherheit öber des Vesent- L1iche' und die Verzweiflung über das des Gesprachs im Raum.

Da Nar ausgesprochen oder nicht die Frage, vas ist nit mir, venn ihr mit der Cassette heingeht? Vie erde ich nit den brennenden Vunden, vie mt den schrecklichen Traumnen, vie mit der Einsankeit in der nahenden Nacht fertig?

Kommt ihrieder,enn durch das erste 6Cespräch neue Erinnerungen auftauchen, dte ich 10Swerden,ei- tersagen nus? Habe ich auch die Vahrheit gesagt? Kann 1ch mich auf nein 6Gedächtnis verlassen? Vas geschieht nit den Intervies, kann ich offen über Täter und ihre Vamen

Sprechen, oder kann mir etwas passieren?

Vir erlebten in nehreren Gespachen, das Erinnerungen erstnals vieder auftauchten. ViF erlebten,1e sich etwas im öberlebenden zusammenbrau- te,ie er sich damit quälte, vie er eine 6Geschichte nach der anderen drumherum' erzählte, vie sich der Kreis inner enger schnürte und vie er es im vierten Gespräch vagen konnte, eine Frinnerung preiszugeben, über die er noch nie mit einen Menschen geredet hatte. Eine Er- innerung, die etien o den vierjahrigen Lageraufenthalt lag und die doch beretts die Ahnung 2ur Gewißheit machte, daß das veitere Schicksal besiegelt ist. Eine Erinnerung, die im Machhinein die Verdichtung aller erlittenen Qual in sich barg und die nur deshalb in ihrer scheinbaren Harmlosigkeit ge- genüber den späteren Lagererfahr- ungen die Tränen lösen konnte.

In den 6Gesprächen n1t diesen

ungeübten ehemaligen Haftlingen spielten Gefühle eine viel stärkere Rol1e sovohl als Begleitung des

Gesprachs wie auch als dessen In- halte.

So erfuhr ich gleich am Anfang bein ersten Intervie, wie sehr ich selbst in den Spannungsfeld zwischen der Notvendigkeit der Aufzeichnung und der Unmöoglichkelt der Finföhlung ge- fangen var und das Gesprach blok- kierte.

Veniger die Inhalte, die Erinnerung an die Vergangenheit verletzten die Gefühle neines Gegenübers, vielnehr die Art, in der ich Fragen stellte, Neanen und Fakten festhalten vollte, nachten die aktuelle 6Gesprächss i- tuation für nein Gegenüber unmit- telbar zur erinnerten Vergangenheit: So geht das nicht! 8S0 kann ich nicht veitersprechen! Ich fühle mich vie im Gestapoverhör!

Andere vieder volIten gefragt verden, sich am Seil der gestellten Fragen entlanghangeln, um Sich

schötzen zu 1assen vor der endlosen Kette der Frinnerungen, vor dem tie-