Lagergemeinschalt Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.
Die Nachgehorenen und die öber 1ebpenden
Erfahrungen aus Interviens nit ehenaligen Häftlingen von
Konzentrations lagern
»Vas Auschwitz var, vissen nur die Haftlinge. Viemand sonst. Veil„ir uns also nicht hineindenken können in die Lage der Häftlinge, veil das Maß ihres Leidens ũber jeden bisherigen Begriff geht und veil vir uns deshald auch von unmittelbaren Tätern kein menschliches B11d nachen konnen, deshalb heißt Auschwitz eine Hölle, und die Tater sind Teufel Nun var aber Auschwitz nicht die Hölle, sondern ein deutsches Konzen- trations lager.“
Martin ValsSer
In diesen Konzentrations lager vie in vielen anderen deutschen Konzentrea- tions lagern sind Menschen von Men- Schen zu Tode gequält, gejagt, gefo1- tert, geprügelt und operiert“ vorden. Und veil andere oder manchmal sogar dieselben Menschen Menschen geholfen haben, konnten einige die Hö1le ũberleben. ES var die Hölle, sagen die öberlebenden selbst, veil sie heute vor derselben Sprachlosigkeit Stehen,„enn sie uns von 1hrem maglosen Leid danals in Auschwttz oder anderswo erzählen.
Das 1St jedesnal neu das schlimnste, ves es auszuhalten g11t zwischen uns Hechgeborenen und den öberlebenden, venn„ir uns gegenübersitzen: Das Unmögliche zu versuchen, von Ausch- vtz zu erzählen, weil wir begreifen
müsSen— und doch genau zu vissen und zu spüren, daßs es nicht geht. Imner vieder hören vir den ver-
zweifelten Ausruf: Men kann es nicht
erzählen, 1hr könnt es doch nicht verstehen, es„ar noch viel, viel Schltnmer!
Auch in uns gibt es oft einen Auf- schrel: Hein, nicht weiterreden! Mehr
kann ich nicht aufnehnen, 1St innen alles„und. Darf
irgendwo ich das
Sagen? Darf 1ch sagen, ich kenn nicht mehr aushalten zu horen, as du aushalten nmustest zu erleben?
Manchmal Sage ich es zum eigenen Schutz, und manchnal kann erst denn der öber lebende seine Gerühle über meine Betroffenheit spuren.
GesprächSpausen entstehen, eine Vand aus den Vidersinn unseres Versuchs Steht zwiSchen uns.
Und dann das erste Vort, ein neuer Versuch, jetzt vorsichtiger— die Gefühle sind aufgewühlt,„ir spüren idersSpröchliche Gefühle: noch nehr Nähe und doch nehr DisStanz. KHahe, eil Tränen, Sprach- und Hi1flosig- keit,„eil erzahltes personliches Schicksa!1 Intimitãt Schafft, und DiStanz, eil mit jeder„eiteren Erinnerung an Leid und Mighand lung die Begrenztheit der Sprache, die Unnöglichkeit der Einföhlung, offen- barer verden.
In diesem Spannungsfeld zwischen der
Notwendigkeit und der Aussichtslo- Sigkeit des Gespräches nit ehema- ligen Haftlingen entstanden unsere
IntervienS. Sie sind das Ergebnis und der Lohn für das Aushalten der Erfahrung, das sich beide, öberle- bender und Hachgeborener, nit der begrenzten, aber möglichen Annäher- ung nit Verstand und Herz begnügen müsSen.
Aus dtesem Spannungsfeld heraus vie auch aus der ganz persönlichen ager)-Geschtchte der 6esprächs- partner ergeben sich dann die un- terschied1ichen Gesprachsver läufe, dte jedes Interviem zu einer einmali- gen Erfahrung nachten.
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