Heft 
(1988) Nr. 14. Dezember 1988
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

fen Abgrund der Gefühle.

Doch das Spannungsfeld zwisSchen der Notvendigkeit der objektiven Dar- Stellung und der Unmöglächkeit der Einfühlung geschah nicht nur, var nicht nur für die Atmosphare der Gesprache bestimnend, es var auch besprochener Inhalt, war das Dilenna um die Minderwertigkeit von objek- t1ver und subjektiver Vahrheit.

ES gilt, die Fakten fes tzuhalten, das, was nachprüf bar, vergleichbar, objek- tlv ist, venn vir der»Auschwitzlüge begegnen vollen, so0 sSagten es die öber lebenden inmerieder. Doch Spiegeln die Fakten Vahrheit vieder, erfagt der Verstand die ganze Vahr- heit des Geschehens, Henn er die Lahl der Getoteten, der Inhaftierten, die Maße des Gelandes, die Anzahl der

Tater gespeichert hat? Oder begreife 1ch etvas vom Schicksa! eines Haftlings,enn er nir genau seinen Lebens lauf Seinen Lagerauf- nethlat mit Zahlen und Buchstaben ledergibt?

ISt nicht die subjektive Erzahlung derichtige Teil, der gemeinsan nit der objektiven Darstellung erst in die Hähe der ganzen Vahrheit fühnt? ISt es nicht gerade dieser Teil der

subjektiven Vahrheit, der den Schmerzlichen Veg des Interies rechtfertigt und notwendig nacht? Vir denken, nirgends kommt die Subjektive Vahrheit so unmittelbar

zur Sprache.

Jun sei noch der 4Aspekt der Verantwortung gegenòber den Opfern erwähnt. Fr klang bereits an als persõnliche Verantwortung von uns gegenüber den Menschen, die sich uns anvertraut haben. Hach nanchem 6Ge sprach trugen vir schwer an der Ge- iBheit, den anderen in seiner FEin- Sankeit nit allen aufgewöhlten Ge- fühlen allein zu 1lassen. Hoch schwe- rer auszuhalten var die uns oft ent- gegengebrachte Dankbarkett dafür, daß vir dtese Arbeit tun und das wtr uns ausgerechnet für das Schicksal die- ses öber lebenden interess ierten. Eine Dankbarkeit, die bei öberlebenden in der BRD aus dem Gefühl rührt, venig- stens heute, venigstens öberhaupt

noch, angehort zu erden, ein Ohr für Sie und das VermachtniS der nicht mehr 1ebenden Kameraden zu finden. ES ist eine der bedruckendSten Er- kahrungen, die vir inmerieder ma- chen nusten, das sich ehenalige it äe et nicht

anerkannt und mit Mißtrauen begegner

fühlen.»ES vird schon vas drange- eSen sein. das ihr als Verbrecher ins Lager gekommen seid. Ehemalige Haftlinge in Polen und österreich konnen da von anderen Erfahrungen Sprechen.

Doch auch dort

Scheinen die RHilfe und Anerkennung im trentlicden

Leben größer genesen zu sein als in persönlichen Bereich. Vir verden nie vergessen, ie eine in der öster- reichischen öffentlichkeit geachtete Politikerin verzveifelt feststellte: Sie haben uns geholfen, das stimmt, aber varum hat uns niemand gesagt. das vir öberlebenden besser keine Kinder zur Velt bringen sollten! Nicht oft konnten diese Fragen nach der personlichen und öftentlichen Verantvortung für die öberlebenden in den Intervies so deutlich aus- gesprochen verden.

vir nochten abschließen nit der Tatsache, die uns kaum 2zur Ruhe komnen 1aBt. ES isSt der Vettlauf mit

der 2eit, bis die letzten Zeugen versStummen. Zeugen öber lebende sind Zeugen, und

ir haben Zeugen gesucht und autge- sucht. Sie brachten uns groe Bereit- Schaft und Dankbarkett entgegen. Indemir ein Verhor 2zu verneraen¶ suchten, indemir 2Zuhoren und Schweigen aushalten lernten und in- demir Fragen stellten, venn sie dranvaren, in dem Maßeurden aus Zeugen Freunde, ve1l s1e uns Freund- Schaft anboten. Viele sind es in- zuischen 4 öberlebende, mit denen 1r sprachen; 7 ödber lebende, die von anderen Mitgliedern der Lagergenein- Schaft intervienturden), öberleben-

de, die uns von Auschwitz, Ravens- brück, Sachsenhausen, Buchenwald, 6rog-Rosen, Bergen-Belsen, Mittelbau

Dore und Dachau erzählten zu viele,