Heft 
(1987) Nr. 10
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Lagergemeinschaſt AuschwitzFteundeskteis der Auschwitzet e. V. 25

HELMUT ARlS, Präsident des Verban- des der Jüdischen Gemeinden in der DDR, hat an die vor 45 Jahren auf der be- rüchtigten Wannsee-Konferenz in Berlin beschlossene systematische Vernichtung der Juden in Europa erinnert. Am 20. Ja- nuar 1942 hatten Spitzenvertreter der Nazi-Regierung Fragen derEndlösung

der Judenfrage erörtert. Aris sagte in.

einem jetzt im SED-OrganNeues Deutschland veröffentlichten Gespräch. man müsse in dieser Konferenz einen Ausdruck der grenzenlosen faschisti- schen Barbarei sehen.Mit ihr wurde das was mit der Verkündung der ürnberger Gesetze' im Jahre 1935 und der sogenannten Reichskristallnacht 1933 begann: Der systematisch geplante Mord an zunächst sechs Millionen Juden, dem ihre Enteignung und Deportation voraus- ging. Der Präsident erinnert in diesem Zusammenhang an Konzentrationslager wie Auschwitz, Theresienstadt, Buchen- wald und Majdanek. Der DDR beschei- nigte Aris, Hitlerfaschismus und Antise- mitismus für immer beseitigt zu haben und das Vermächtnis aller Opfer des Na- tionalsozialismus zu bewahren. Die Bür- ger jüdischen Glaubens in der DDR un- terstütztenaus tiefer Uberzeugung die humanistische Friedenspolitik der BDR meinte Aris.

Freitag. 16. Januar 1987, Nr. 13

* NPD stellt sich

WöLFERSHEIM, 9. Februar(Ah). Nach ihrem überraschend guten Ab- schneiden bei der Bundestagswahl(0,6 Prozent der Zweitstimmen) will sich die rechtsextreme NPD jetzt auch verstärkt an Landtagswahlen beteiligen. Dies be- schloß der Bundesvorstand der Partei nach Angaben vom Montag am Wochen- ende im hessischen Wölfersheim, wo die NPD drei Gemeinderatsmitglieder stellt und bei der Wahl 10,5 Prozent(Erststim- men) errang. Der NPD-Vorstand billigte sowohl eine Kandidatur der Partei bei der Bremer Bürgerschuftswahl im Sep- tember als auch bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 1988. Das Bundes- land im Südwesten wurde zugleich zum Wahlschwerpunkt der Partei bestimmt.

Australien sucnt NS-Verbrecner

CGANBERRA, 24. Februar(Reuter). Au- stralien hat am Dienstag die Bildung einer Sondereinheit angekündigt, die mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher im Lande aufspüren, überprüfen und gege- benenfalls verfolgen soll.

Eine geheime Regierungsliste mit 70 mutmsßlichen Kriegsverbrechern ist die Grundlage.

Erich Koch, 90. Als einer der brutalsten Satrapen des Führers hatte der ehemali- ge Gauleiter von Ostpreußen und Reichskommissar der Ukraine bei Kriegsende eine der prototypischen Na- zi-Karrieren hinter sich: vom bleistift- spitzenden Kleinbürger zum massenmör- derischen Herrenmenschen. Bereits 1926 war der in Elberfeld geborene Lohn- buchhalter der Reichsbahn wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP vom Dienst suspendiert, zwei Jahre später aber zum Gauleiter(1933 zum Oberpräsidenten) von Ostpreußen ernannt worden. Für den Landser an der Ostfront machte Koch 1941 auf seine Weise Geschichte Die erobere Ukraine hielt er für den rũcksichtslos auszubeutenden Brotbeutel des Deutschen Reiches und die Bewoh- ner für einNegerwolk. Rächern konn- te sich der Parteibonze bei Kriegsende zunächst entziehen. Er entkam von nigsberg über die Ostsee in die Umge- bung von Hamburg; sein Inkognito wur- de wenige Tage nach der Verkündung des Grundgesetzes. im

Mai 1949. gelüftet.

Zwar wurde er wenig

später von der zustän- digen britischen Besat-

zungsmacht an Polen

ausgeliefert und im

März 1950 wegen der

Ermordung von 72 000

polen und der Depor-

tation von 200 000

weiteren Opfern in KZs zum Tode ver- urneilt. Doch vor der Hinrichtung be wahrte den auch im polnischen Ge- ſängnis als herrischen ldeologen auf tretenden Koch körperliche Gebrech lichkeit. Erich Koch starb vergangenen Freitag im Geſängnis von Wartenstein.