Heft 
(1985) Nr. 7. Dezember 1985
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Lagergemeinschaft Auschwitz V Freundeskreis der Auschwitzer e.V.

Poe woncernc ndenEnce

meni»die Palastinenser sind die Ju- den der Juden»wegverglichen« vird. s0 kommt dabei das gleiche heraus.

lm Zusammenhang mit einem ⁊u chaſſenden Sonderstraſtaibestand vare es um den Schutz der Uberle- denden Opſer gegungen. die nach den an ihnen begangenen Verbre- chen nicht nur durch diejenigen er- neut gedemutigt werden. die diese Verbrechen bestreiten. sondern auch durch eine Gesellschaſt. die unwillig oder un ſahiz ist. gegen die- & Leugner vortugehen. Und Uber- lebende beſurchten zu Rechit. dah in nicht allzu ſerner Zukunſt. wenn von ihnen keiner mehr leben wird. venn keiner von ihnen mehr aus ei- gener Erfahrung den nachſolgen- den Generationen die Schrecken des planmaigen Volkermordes vermit- teln kann. die Versuche des Bestrei- tens des Volkermordes ansteigen und daß mehr Menschen diese- gen gauben konnten.

Es ist keine Alternative. allein ei- nen Sonderstraſtatbestand gegen die»Auschwitz-Lüge zu schafſen oder sich allein auf allen Ebenen (Politisch, juristisch. padagogisch und kulturell) fur eine wirkliche und chrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichie einzusetzen. Die Schaſſunt eines Sonderstraſiut- besundes vre eine notwendige l?r- ganzung vor allem um der Uberle- benden willen: um sie vor weiterer Verleumdung zu schütxen und um ihnen zu zeigen. daß sie mit ihrer Er- fahrung und mi ihrem Anliegen vahrgenommen. ernstgenommen und nicht alleingelassen werden. Damit vare ein solches Geset auch ſur uns selbsi wichtig gewesen. als kleines und keineswegs zu Uber- schatzendes Zeichen. dah wir tat- Schlich aus der Geschichite lernen.

Statt dessen sind wir mit dem Problem der Verharmlosung durch Aufrechnung von Unrecht kon- frontieri. Diejenigen. die die For- mel»Opſer der nationalsozialisti- schen oder einer anderen Gewal- und Willkurherrschaſis gepragi ha- ben. betreiben diese Verharmlo- sung: des Volkermordes an den Ju- den. den Roma und Simi sowie auch des geplanten und durchge- ſuhnen Volkermordes an den slavi schen Volkern. Und wenn der Kommentator des Uerliner»Tages-

spiegel« dazu am 14. Marz 1985

chreibi.»niemand in Bonn hat es sich leicht zemacht in der Diskus- sion daruber. ob das Verbreiten der sogenannten Auschwitz-Löge zum Ofſiuialdelikt mit einem Strafrah- men bis ⁊u drei Jahren Haft erho- den werden solla. dann ist diese Haliung auch ein Teil des Pro- blems. Diese Einstellungen sind s0. gar der gewichtigere Teil des Pro- blems. veil sie weiter verbreitet sind als der organisierie Rechisexremis- mus. Und veil sie auch von Men- chen geteili werden. die in Politik. Wirischaſt und Medien Schlüssel- positionen haben.

Die Auseinandersetzungen dieses Jahres sprechen Bande nicht nur Uber das Verhalinis von Menschen zu ihrer Vergangenheit, sondern auch über die gegenwartige Politik. Helmut Kohl hal in einer Rede auf dem Deutschen Uankentag veine Auseinandersetzung mit der deut- schen Vergangenheit demonstrieren vollen und den»Oplimismus« Dietrich Bonhoeſfers betont:»Die- ser Mann hatte im Angesicht des Galgens die Fahigkeit. in sich Kon- linuitai zu spören. zu iragen und?u vermitteln: dal er Gottverrauen natte und daß er irot seiner ver- vweiſelten Lage auf die Zukunſt scizte.« Und nun die Schluß folge- rung von Hehmut Kohl.»Was im Konzentrationslager Fossenbürg moglich war. müſie heute auf ei- nem Bankentag oder anderswo auch moglich sein.«

ein Verhaliniszur Vergangen-

heit und die derzeitige»Si- cherheis und Soꝛialpolitiks. für die auch er seht. sind nicht ⁊wei paar Schuhe, sondern bedingen sich gegenseitig. Genauso ist es bei Ronald Reagan. der in der peinli- chen. aber immerhin statiſindenden Debatie um scinen Besuch in der kundesrepublik sugie. die jungen deuischen Soldaten. die in Bitburg bekraben vind. vrien ebeio Opſer des Nationalsozialismus wie die Menschen. die in den Konzentra- tionslagern der Nazis ermordei vur- den. As ob es keinen Unierschied gabe ꝛwischen einem jungen Men- chen. der vielleicht gegen seinen Willen in einen Krieg geschickt vird, und Merschen. die im Rah- men eines Uber den ganzen Konii- nent hin angelegen Volkermordes

in ein Vernichtungslager getrieben werden und dor fabrikmãig gei tet und verweriet verden.

Die Beispiele zeigen. daß es auch bei denen, die tatsachlich aus der Geschichte lernen wollen. nicht ⁊u Aufrechnungen kommen darſ. We- der zur Aufrechnung des Leidens der verschiedenen Gruppen von Opſern: Juden, Roma und Sinti, Kommunisten, Homoseuelle und viele andere, noch ⁊ur Aufrechnung politischer Arbeit. Die verschiede- nen Bereiche des heute gebotenen Kampſes, des Kampſes fur das An- denken der Ermordeten. für eine menschenwurdige Begegnung mit den Uberlebenden, des Kampſes um die Menschenrechte. cie heute verlett werden, des Kampſes gegen die Aufrustung und fur eine politi- sche. d. h. gewaliſreie Lösung von Konſlikten, durſen nicht gegenein- ander auſgerechnet verden. In ih- rem Zusammenspiel bilden die ver- schiedenen Bereiche eine Einheit des Lernens aus der Geschichte.

er von der Koalition vorge-

legie Gesetzentwurf vurde am 25. April 1985 vom Bundestaz verabschiedet und hat inzwischen auch den Bundesrat passien. Von den Abgeordneten der Koalitions- fraktionen stunmie in der 2. Lesung nur die FDP-Abgeordnete Hilde- gard Hamm-Brocher gegen den Koalitionsvorschlag. Noch vier Ta- ge vor der Abstimmung im Bundes tag hatte Bundeskarzler Helmut Kohl bei der Gedenkveranstaltung des»Zentralrates der Juden in Deuischland in Bergen-Belsen er- klart:

Aber wir hätten nichts, aber auch gar nichts aus der Geschichte gelernt, venn vir Grausamkeiten gegeneinander aufrechnen wollien. Für die Untaten der NS- Gewalt- herrschaſt tragt Deuischland die Verantworiung vor der Geschichte Diese Verantworiung dußeri sich auch in nie verjahrender Scham. Wir werden nicht ⁊ulassen. daß et- was verſalscht oder verharmlost vird.«

Selten ist mir der Unterschied zwischen Sonntagsreden und All- iagspolilik greiſparer gevorden. Es bleibt nun nur noch die Hoffnung. dan die Oppositionsparieien und die Abgeordneten und Miglieder der Koalitionspareien, die das jetz