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Lagergemeinschaft Auschwitz V Freundeskreis der Auschwitzer e.V.
chi, die einmal jahrlich im Janbar seit 15 Jahren, erscheinen. Verschiedene For- schungszentren in Polen föhren systemati- sche örztliche, psychologische und so2io ogische Untersuchungen ehermaliger Häft linge durch. Die vor fast 20 Jhren aofge nommenen methodischen Forschungen dieses Typs, die sich auf reprãsentativ aus- gewshlte Gruppen ehemaliger Häftlinge stötzen, nahmen in Krakau ihren Anfang Tbec.F̃orschungen), weil in der ersten Zeit nach dem Krieg ein hoher Prozenisat? an TbcErktankunger bei epermaligen Höft- ingen festgestellt wurde; bald danach folgten pzychiatrische Untersuchungen und aus anderen F̃ochbereichen.
Oie in Folen durchgeführten Unter- ochungen, obwohl sie ꝛiemlich spãt a0f organisatorischer Basis begonnen wurden, sind gegenöber shnlichen. fröher aofge nornmenen Untersuchungen in eingen Hestlichen Ländern insofern bedeutungs- voller, als sie wissenschaftlichen ond pro- ppylaktischen Zwecken dienen und nicht
for Rentenansprüche durchgeföhrt werden Oie Bemönungen richten sich hierzulande darauf. die Ergebnisse vollstõndig aus er psychischphysischen Einheit des Men- schen herzuleiten und die Folgen des Lagerauferthaltes auf der breiten Skala der verschiecdenen Aspekte der Biologie des ehemaligen Hãftlings ⁊20 sehen: damit sind sowohl sichtbare Verletzungen vie Narben und Schwund der Organe ge- meint, wie aoch die schwerer feststell- baren, die sich jecoch in psychischen Störungen bemerkbar mochen. höufig chronischen Charakter haben und— Was „ichtiger ist— noch Jahren aktiver Teil- nahme am Leben aufiauchen kõnnen.
Internationales Forum, aof dem men diesen medizinischen Sonderaspekt dar- legte. waren vor allem die alle poar Jahre einberufenen mecizinischen Kongresse oer FIß(Iniornstionole Föooration der Widerstandskömpfer). Auf dem letzten Kongreß in Paris wurden im Programm ↄuch mehr al ein Dutzend polnischer Referate bercksichtigt.
Des hier als Beispiel dargelegte Pro · blem mecizinischer Folgen der Lager- existenz ist nur ein Aspekt der weit- reichenden Problermatik, öber die es dem Arzt und einstigen Häftling zchwerfölh. sich kurzgefalt 2u zußern. Die Problems- tik beröhrt ja die weitgespannte Skola oer Erlebnisse wie abch das ungewöhnlich reiche Schrikttum, in der der Autoren- anteil der Arzte zehr groß ist. Das wörde eine Bibliographie zeigen. derer Erarbei- iung wir seit langern fordern. Denn die Arzie, diejenigen. die den Lageralptraum miterlebten, waren neben den sich mit diesen Fragen befassenden Psychologen ond Soziologen 2eugen der geheimsten ſaten des Hiterfaschismus. Sie haben in der Praxis den Miecergang des Menschen iums gesehen. abet ↄuch den Widerstsno
gegen das Bose erfahren. Sie haben noch sten Aufflug beschrieben, wo eigentlich nur noch, wie men glauben möchte, der Tod hertschen konnte, und Selbstvertei- digung nicht am Platze war. Und och entwickelte sich in den Lagern, vorwie gend gestötzt auf cen Sanitãtsdienst er Hoftlinge in den Kevieren. eine Bewegung des Widerstandes, anfänglich spontan, in- dividoell, dann kollektiv, international. unier sehr schwierigen Bedingungen, kon spirativ. Dort begann auch der Kampt um das Leben der im Lager zugrundegerich- teten Menschen. Vor diesem Hintergrund heben sich in großer Zahl cie Gestalten der ArzHottlinge ab. die retteten, und die der SS-Arne, die den Tod brachten.
Es muß betont verden, daß man in den Lagerrevieren— in Auschwitz-Birkenau un aoch in einigen anderen Lagern— o man den Taten der S8 entgegenarbeitete. den Häftling vor dem Untergang durch Heilmittel im weitesten Sinne bewahrte. cenn mit den öblichen, sehr bescheicdenen Arzneien(Aspirin, Tanalbin. Bolus alba. Kohle, Sepso, Papierbinden, den s09e nannten Papierbandagen) hieß sich das Leben eines„Muselmanes“, d. h. eines restlos erschöpften Haftlings nicht erhlt ten. Als Heilmittel erwiesen sich daher das Lagerlied, cie Karikatur. der eigen tömliche Lagerhumor(Krematoriums- oder Galgenhumor genanni), die Lager satire, das Marionettentheater, das Dekla- mieren von Versen. das Nacherzählen von Werken der Literatur aus dem Gedchtnis, die Plastik, Zeichnung, der Tanz, die von einem regen kulturellen Leben in Ersatz form ꝛeugten.
in der Lagerhölle beststigte sich die These, Caß selbst urner den furchtbarsten gecingungen der Lebenswille, ja nicht einmel cie Merkmale des Menschseins ausgernerzt werden konnten. wie es bei spielsweise das Bedörtnis noch positiven psychischen Empfindungen ist. Denn da- durch onterscheidet sich der Mensch vom Tier. Das Lagersystem der SS föhrte mit pertektion die Kunst der Tötung durch: troizdem brachten es die wehrlozen Hãft linge tertig, der Vollkommenheit ieses Vernichtungsmechanismus Widerztand 2u leisten. Wir Arzte konnten beobachten. wie siegreich bisweilen KZ-nsassen. die eine starke ſdeologie reprssentierten. der vahrwitzigen Hitlericeologie wicerstan oen, jene Hsftlinge, in deren gemartertem Leib der Funke der 10ee und Hoffnung nicht erlosch dabei denke ich sowohl an die kormmunistischen Hsftlinge wie auch solche, die ihre Kraft aus der Religion schöpften.
Die deutschen Kommunisten onter schieden sich radikal von den deutschen Kriminellen. Einige saßen in den Lagern sen 1933 n lebten wie in einem Trau ma aber es 92b ooch soiche die ihre deologe uno Menschenworce Ncht ver
eugneten; oft konnte man bei den deot schen Kommunisten des Lagers Hilfe fin- den. Dasselbe gilt för s0 manchen pPrie- ster Sie worden wie die Juden im Lager besonders verfolgi und auf die hörtesten proden gestellt. ſpr tiefer Glaube gab ihnen Kroft. Ein bekannies Beispiel Caför ist cer Franziskarer-Konventale Pater Maksymilian Kolbe, der för einen anderen Hõttling freiwillig den Hungertod auf zich nahm und dessen Sterben in Merschen- vörde ihn als Seliggesprochenen auf den Altar erhob, womit seine durch ein ganzes Leben bewahrte Haltung ihre Krönung ert fuhr.
Oie Lager waren die Hölle, aber— wie der bekanrnte Psychiater, der fröhverstor- bene Prof. Dr. Antoni Kepinski, aufgrund seiner Analyse der Lagerproblematik be- tonte— kann man auch getrost von den Lichtern Auschwitz' sprechen. Denn pars- doxerweise wird dieser Ort des Massen- sterbers för die Menschheit in der fernen Zokunft vor allem eine grausame Erfah- rung zein. die bezeogt. daß men den Men- schen nicht vernichten kann.


