Lagergemeinschaft Auschwitz V Freundeskreis der Auschwitzer e.V.
m 40. Jahr der Befreiung von AusChwitz
Reflexionen über das
OUSWT2
Zeitalter der Krematorien
Auschwit hat den Beweis erbracht, daß man den Menschen nicht vernichten Kann
Or med. STANISLAW KLODZINSEl eher. Auschwitzhaftling Nr. 20019
Jahre, die sei der Betreiung der NS ager vergangen sind stellen einen Zeit raum dar, der ein aosteichend weites
Blickfeld ermoglcht, um sich smne s et stodio öber die Epoche der Krematorien und ihre sich bis auf den heutigen Tag aus wirkenden Folgen Gedanken z0 mechen Trotz größter Bemohongen der Hitler faschisten, die Spoten der an Millionen von Menschen veröbten Lagerverbrechen z0 verwischen. wer es onter großen An strengungen möglich, eine Dokumenta tion zo erstellen, die ausreicht, um eine objektive Beurteilung der Fakten 20 ge währleisten. Lagerrelikte haben sich erhal- len. sie werden von der jöngeren Genetra tion, die sich lebhaft für die Vergangen- heit interessiert und nach den Ursachen dessen fragt, was damals in Wahrheit mit dem Menschen geschah. d.h. mit dem Morder und seinem Opfer, pietstvoli be wahri. Allein schon das Staatliche Muse om in Oswiecim-Brzezinka zahlt jahrlich fast eine halbe Million Besucher, in der Mehrzahl Jogendliche, sowohl aus ßolen als auch aus dem Ausland. Ahnliche Mas- senbesuche haben andere Lagermuseen in Maſjdanek, Stotthof. Mauthausen, Ravens bröck, Dachau, Bochenwald und vielen anderen Straflagern aufzuweisen. Ein genögender Prozentsatz von Hsft- 0— aoch von Hoftlingen aos den rankenrevieren— ist dem Tode entton- nen. um för die Wahrheit Zeognis abzo legen. Das sind sowohl Kranke, die aus jenen Spitslern mit dem Leben davon- kamen, als auch solche, die als Haftlinge in den Krankenrevieren tätig waren. Oie zahlreichen, gegen die Mörder(SSArzte) 9eföhrten Prozesse offenbarien der Welt das wirkliche Ziel dieser„Reviere“. Um- fangreiches. durch Dokumente belegtes Anklagematerial gegen die antihomane Medizin der Hitlerfaschisten auf dem Ge- biet der wissenschafilichen Forschungen ound der sie untermauernden Dokumente, Aussagen. Berichte und Erinnerungen. hat die polnische sich mit der Lagerproblema- ik befassende Medizin geliefert Die Rech nung des Unrechts uno der materiellen. moralischen und bioloqischen Verloste ist
noch nicht beglichen viele S5 Arzte kamen ungeschören davon, es zei nor an Joset Mengele aus Aoschwitz oder Horst Schu- mann erinnert, wahrenddessen die vielen Opfer hret verbrecherischen, pseudomedi zinischen Experirmente, die mit cem Leben davonkamen. bis auf den heutigen Tag an hren Gebrechen leiden
Oer geringe Prozentsatz heute noch lebender ehemaliger Höftlinge— das sind die biologisch Stärksten unter den Massen von lnhaftierten, was jedoch dorchaus nicht bedeutet, daß sie gesund sind. Das Loger hat unheilbare Schäden und dauer- hafte physische Sporen hinterlassen. Etwa 93 Proꝛent der ehemaligen Hãftlinge weist 2.8. Persönlichkeitsveränderungen durch Lagerstress auf. Oie unablãssige Lebens- bedrohung, der Hunger, mörderische Ar- beit, ständige Schlage, die AMmosphäre der Vernichtung und des Terrors. Hitze. Frost, die primitiven sanitsren Bedingun- 9en— all das hat dauerhafte Sporen in den Organismen der Geretteten hinter- lassen und sich auch auf die weiteren Generationen öbertragen. So föhrt man
neberdings Forschungen ober die Uner artet nachhaligen Folgen der Zwanqs arbeit in den Lagern durch. die bei den bereits nach cderm Krieg geborenen Nach kommen ehemaliger Hsftlinge auftreten Oie medizinischen Auswirkungen des Lageraofenthaltes stellen sich als eine neue eigene Art chronischer Erkrankung heraus, etwas wie eine Zivilisationskrank heit, die infolge der 2war kurz dauernden. daför schmerzhaft spörbaren Hertschaft des Hitlerregimes öbet einen Teil Europas entstanden ist. In der fachsprache nennt man diese Krankheit KZ-Syndrom, Lager Asthenie. Sie vereint in sich viele Sym- ptome sowohl physischer als auch psvchi⸗ scher Natur, 2. B. chronische Tbc mit schwerer Lagerneurose. Zum Thema KZ- Syndrom sind in Polen sehr viele gewich- tige wissenschaftliche Publikationen er- schienen, deren Ergebnisse auch im Aus- land Beachtung geschenkt wird. Die Mehr- zahl cer Arbeiten auf diesern Gebiet wer den in Sonderheften der 2Zeitschrift „Przeglad Lekarski— Oswiecim“(Arzt- liche Rundschau— Auschwitz) veröffent-
Am 26 Janust 1985 trafen sich epemalige polnische Hattlinge Ces KZ Auschwitz Birkenau an cer Hinrichtungsmaber des Lagers zum Gedenken an die zahllosen Opfer des Nazi- ſerrors und zur Feier des 40 Jahrestages der Befreiung ces Lagers durch sowjetische Soldaten
Foio lnterpress/Jurgens


