Lagergemeinschaft Auschwitz V
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Freundeskreis der Auschwitzer eV.
ln Schlesien— polen nach 40 jahren
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Studienreise nach Polen
Aus technisch- und oFganisatorschen Gründen Kann unsere nächste Studenreise nach Polen erst In den Osterferien 1986 chgeführt verden.
Wir bäitten— vegen
der Langen Bcarbei- tungsdauer— jetzt
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Reisedauer: ca. 10 Ta-
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Kosten alles incLus.: S
— 5önTEz BresLau— Krakeu— Nuschitz—
kKopane u. zurück.
Es ist aufregend für mich, nach vierzig Jahren fast genau die— selbe Strecke in entgegengesetzter, in östlicher Richtung 2u fahren, die meine Motter Ende januar 1945 mit meinen drei Geschwistern und mir auf der ßlucht aus Schlesien nach Westen zuròcklegte Heute fahre ich im komfortahlen Reise— bus, damals in Schnee und eisiger Kãſte auf offenen lastwagen und in beãngstigend überfüllten Eisenbahnwaggons.
ch erinnere mich an die Erzählungen meiner Mutter, wie mein Vater ihr 1935 die Besonderheſten und Schönheiten der ihr fremden schlesischen landschaft und kKultur zeigte ſch denke an meine preußisch-protestantischen Vorfahren, die nach Stu— dienjahren in entfernten Städten wieder nach Schlesien zuröckkehrten, weil sie sich dort Generation um Generation hingehörig fühlten. Heute wohnen dort, wo meine Vorfahren lebten, überwiegend Polen, die man nach Kriegsende aus ihrer östhichen Heimat vertrieb und in Schlesien ansiedelte Men- schen als Spielbälle der Politik, die sie nicht zo beeinflussen vermochten.
In Polen ist die Erinnerung an die nationalsozialistischen Un— taten überall lebendig. Frische Blumen an unzähligen Denk— malen, lnschriften und ßotos beweisen es.)ede famihie be— trauert Angehörige, die damals umgebracht wurden. Mich eß die Frage nicht los: Was tat meine familie, wãhrend in unmit- telbarer Nãhe Polen als„Ungeziefer“ und„Untermenschen miſhandeſt wurden? Wãhrend polnische Kinder— Wie etwa m Kinderkonzentrationsſager in Lödz— ebten und starben Kannten wir, geborgen in Hebevoller familie, keine Not.)a wir fuhren ins besetzte polen in die„Sommerfrische“ Anti— polnische Stimmung und Vorurteile waren verbreitet und die NSpropaganda konnte auf dieser Basis aufbauen. Damit wur— den wir Kinder tãglich konfrontiert. An unserem deutschpolni- schen Hausmädchen wurde uns verdeutlicht, wie wit eben nicht sein sollten, welche kigenschaften wir entwickeln solſten nicht„labern“(reden), sondern handeln,— selbstbehert chung, Unbestechlichkeit, Pflichtbewußtsein, Zuverlässigkeit, Fleiß, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Sauberksit. Beim lesen der nationasozialistischen, antipolnischen Hetzparolen war ich erschrocken, zu welcher Unmenschlichkeit die„deutschen ſugenden in außerster Konsequenz prãzise führen können Wir sahen es nicht nur in Auschwitz Bekannte unserer Eſtern die im„Generagouvernement“ als lehrer tätig waren, hörte chals Kind von ihrer„Kulturarbeit“ berichten. Sie fühlten sich als selbstlose Pioniere in einer unkultivierten Weſt, wãhrend die nationalsozialistische Politik gerade auf die Vernichtung der polnischen Intelligenz und kuſtur gerichtet war Und nun sahen wir in Krakau und Warschau Zeugnisse der traditſonsrei- chen Kultur dieses freiheitsiebenden und nie ganz zu unter- dròckenden Volkes Gerade in den früher gedemütigten und gequãlten Qberlebenden der Konzentrationslager begegneten uns überaus iebenswürdige, warmherzige Gastgeber, kulti— verte Menschen mit großem feingefühl für unsere Beklom- menheit, mit der wir ihnen zunãchst entgegenkamen. Elisabeth Dahmer-Kloss


