Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27
vor der Geburt seines Sohnes im Mu- Sseum Auschwitz und in Birkenau ge— wesen. Er hatte zu Hause viel über Auschwitz berichtet und unterhielt sich wie selbstverständlich mit ande- ren Uberlebenden darüber, während sein Kind in der Nähe spielte, was schlieBlich dessen Interesse weckte.
Am zweiten Jag der Studienfahrt führte die Archiv-Mitarbeiterin Frau Krystyna Lesniak einen Workshop zur Arbeit des Archivs durch. Da Filip Müllers Sohn keine Dokumente über seine Groß- oder Urgroßeltern besaß und nur wusste, dass sein GroßBvater Isidor Müller in Auschwitz verstorben war, nut?te er die Gelegenheit, Frau Lesniak nach Hinweisen auf Quellen zu Isidor zu fragen. Die Datenbankab- frage ergab drei Treffer. In einem Fall lag ein plausibler Fintrag in den Ster- bebüchern vor.
Frau Lesniak konnte Hinweise auf den 1895 geborenen Isidor Müller in der Zugangsliste vom 03.07.1942(betr. Zugänge vom 30.6.1942), in einem Sterbeeintrag vom 12.08. 1042 und in einem Fintrag im Buch der Leichen- halle vom 08. 08. 1042 finden. Auch im 2. Band des„Stärkebuchs“ wurde er unter den„verstorbenen Häftlingen“ aufgelistet. Eine Uberprüfung der An- gaben führte zu dem Ergebnis, dass es sich bei der erwähnten Person zweifel- los um den Vater von Hilip Müller han- delt, da die genannte Melde-Adresse in Sered(Filip Müllers Adresse) und der Name der Ehefrau verifiziert wer- den können. Die Lebensdaten von Filip Müllers Vater, sein Geburtsort Ssowie die Namen der Großeltern wa-
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Fintrag von Pidor Müllers Hüäftlings- nummer im„Leichenhallenbuch“ O APMA-B
ren Filip Müllers Sohn bis dahin unbe- kannt und ihre Entdeckung ein bewe- gendes Breignis. Isidor Müller wurde nur 47 Jahre alt. 39 Tage nach seiner Ankunft verstarb er unter den un-— menschlichen Haft- und Lebensbedin- gungen in Auschwit?z.
Gewissheit über den tatsächlichen Sterbetag Zu erlangen, bedeutet Famili- enangehörigen viel und verdeutlicht, wie wertvoll die Arbeit des Archivs im Museum Auschwitz ist. Die Zahlen sind viel bedeutungsvoller als Lebensdaten auf einem Grabstein oder auf einer Ur- kunde. Sie sind ein Beweis für die Exi- Sten? und nicht nur relevant für die Ah- nenforschung, sondern auch für die Identität. Mõglicherweise ist es sogar viel mehr:„ Gewissheit ist die OGrund- lage, nach der die menschlichen Gefiihle verlangen.“(Honore de Balac, franzq- sischer Schriftsteller). o


