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(2023) 2/2023. Dezember 2023
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25

des Archivs weder Dokumente über sich noch über seinen Vater finden. Während in den ersten Jahren nach der Befreiung des LKagers und nach der Frõffnung des Museums im Jahre 1947 Schriftliche Quellen noch mühselig ge- sammelt und zum Teil aus dem Müll, verschmutzten Kellern und Geheim- verstecken geborgen werden mussten, arbeitete eineDokumentationsabtei- lung an verschiedenen Projekten wie Ausstellungen und ersten Publikatio- nen. Erst 1957 wurde ein Archiv im Museum errichtet, jedoch befand sich eine Kartothek(Häftlings-Hauptkar- tei nach Namen und nach Häftlings- nummern sortiert, insgesamt ca. 1,9 Millionen Karten) erst im Aufpau und das Archivgut war als Kriegsbeute, Be- weismittel und Souvenir weltweit ver- streut worden sowie längst nicht er schlossen. DieInformationsstelle über ehemalige Häftlinge wurde erst Später eröffnet.

Durch denEisernen Vorhang (1945-1989/1991) war ein Informati- ons-Austausch Zwischen den Archiven Schwierig und langwierig, viele erhal- ten gebliebene Quellen waren über- haupt nicht bekannt, zumal schät zungsweise 95 Prozent der Lagerdoku- mentation noch vor der Befreiung des Lagers auf Befehl der S8 verbrannt worden war.

Nach der Auflösung der Sowjet- union im Jahre 1991 und der Offnung Sowjetischer Archive wuchs der Doku mentenbestand des Archivs im Muse- um Auschwitz an. Laut Inventarproto- koll aus dem Jahre 1994 betrug die Länge der Ordner, Schuber, Alben

und Ablageboxen des Archivs insge- Samt 247 laufende Meter. Interne Findmittel beschränkten sich jedoch nur auf einen kleinen Jeil des Archiv- bestands. Die Erstellung von Find- büchern wurde von der Archivleitung verhindert.

Uberlebende und deren Angchöri- ge hatten kaum Chancen bei perso- nenbe?Zogenen Suchen, fündig zu wer- den, und wendeten sich daher seit 1948 häufig an den Internationalen Suchdienst(ITS) in Bad Arolsen(1944 alsCentral Tracing Bureau des In- ternationalen Komitees vom Roten Kreu? gegründet, 2019 inArolsen Archives- Internationales Zentrum über NS-Verfolgung umbenannt). Bhemalige Häftlinge konnten beim ITS eineInhaftierungsbescheini- gung beantragen, in der unter der RubrikGeprüfte Unterlagen rele- vante Quellen aufgeführt wurden. Ins- besondere für die Anmeldung von Entschädigungsansprüchen war die Inhaftierungsbescheinigung für Uberlebende unverzichtbar.

Filip Müller ließ diese Bescheini gung im Jahre 1965 durch seinen An- walt anfordern. In dem ITS-Doku- ment heißt es unterBemerkungen: Die Hdftlings- Nr. 20236 eyscheint nicht in den hier vorliegenden lin voll tndigen Unterlagen des KL Ausch- wilz. Allerdings konnte seine Inhaf tierung durch Unterlagen aus dem K. Mauthausen belegt werden.

DieArolsen Archives verfügen über etwa 30 Millionen Dokumente, meist aus nationalsozialistischen La gern oder zum Thema Zwangsarbei-