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(2023) 2/2023. Dezember 2023
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24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

und Wissens-Verlust arbeiten immer mehr Angehörige, in?wischen der drit- ten und vierten Generation, ihre Fami- liengeschichte auf, besuchen die ehe- maligen Leidens- und Mordstätten und suchen auch nach schriftlichen In- formationsquellen. Die Anzahl perso- nenbe?Zogener Anfragen an das Archiv des Staatlichen Museums Auschwit?- Birkenau in Oswiecim steigt seit Jah- ren kontinuierlich.

Zu den weltweit bekanntesten Auschwitz-Uberlebenden und weni- gen Zeugen der Massenvernichtung aus dem Sonderkommando gehört zweifellos Filip Müller, der im Alter von 20 Jahren aus der Slowakei in das Vernichtungslager deportiert und dort in den Krematorien zur Sklavenarbeit ge?wungen wurde. In seinem FErinne- rungsberichtSonderbehandlung, der 2022 im vbg-Verlag verõffentlicht wurde, beschreibt er das Wiedersehen mit seinem Vater im Stammlager Auschwit? und dessen Finäscherung im Krematorium:Jch traf meinen Va- ter noch einige Male. Trotz aller Hilfe ind Unterstitzung, die ich ilm Matte zMommen lassen, Siechte er immer mehr dahin.(...) Als wenige Jage Spä- ter der Rollwagen vom Krankenbau Kam nd auf dem Hof abgeladen wur de, lag unter den Voten auch sein Leich- nam. Meine Kameraden trugen ihn ins Krematorium und legten ihn im Ver hrennungsruum auf den Vog des Koll- wugens. Vor den glüihenden Ofen betete

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Filip Müllers Unterkunft in Block 11 des Stammlagers. O A. Kilian 2023

Schwarz das Kaddisch.(...) Als aber Schwarz das Kaddisch sprach,(...) empfund ich in meiner Seele unsagha- ren Schmerz ind tiefe Jrauen die ich mit Worten nicht auszudricken ver- mag. Doch das Gehet half min den Schmerz zu überwinden und mein Herz zu heschwichtigen in dieser Schweren Stlinde, als die Hammen die erblichen Uherreste meines Vaters un wiederbringlich verzehrten.(S. 73 f.) Als der seinerzeit in Prag lebende Filip Müller im Jahre 1961 das Staat- liche Museum Auschwitz besuchte, konnte er in der Informationsstelle

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Filip Müllers Vater in der Zugangsliste aus Majdanek vom 03.07. 1942. O Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau in Oswiencim(APMA-B)