Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23
Späte Gewissheit Informationsstelle im Archiv des Auschwitz-Museums legt Enkel von Isidor Müller Belege über dessen Todesdatum vor
Von Andreas Kilian
Durch den deutschen Ordnungswahn und die Unmöglichkeit, alle Beweise der Verbrechen restlos zu beseitigen, blieben immerhin wenige Verwal- tungsunterlagen erhalten, die wesentli- che personenbezZogene Daten derjeni- gen Menschen dokumentierten, die von den„Endlõsern? spurlos vernich- tet werden sollten. In den meisten Fãl- len konnten aber bislang keine Doku- mente Zzu Deportation oder Lagerhaft und auch keine lagerstandesamtlichen Sterbeeinträge gefunden werden. Uberlebenden Familienangchörigen blieb daher häufig nicht mehr als eine blasse und zum Jeil nur mündlich überlieferte Erinnerung. Im Laufe der Jahre nahm aber auch dieses Wissen ab, Ssofern es nicht im Rahmen von Oral History oder schriftlichen Auf— zeichnungen festgehalten wurde.
Von etwa 400.000 registrierten und 30.000 bis 50.000 nichtregistrierten Häftlingen des KI Auschwit? haben et- wa 80.000 bis 90.000 Häftlinge das Kriegsende überlebt. Während im Jahr 2004 noch schätzungsweise 40.000 ehe- malige Häftlinge lebten, sind es im Jahr 2023 weltweit vermutlich nur noch eini- ge Hundert. Im Hinblick auf die Tatsa- che, dass weltweit aktuell etwa 350.000 „Holocaust-Uberlebende“ am Leben sind(darunter 135.000 in Israel), ist die- 8e Anzahl verschwindend gering.
Mlle Auschwitz- Uberlebenden muss-
ten sich ein neues Leben aufbauen und in die Zukunft blicken. Häufig war die Erinnerung an die Ermordung ihrer Angehörigen zu schmerzhaft um zurückzublicken und die Rekonstruk- tion der Breignisse durch die zweite oder dritte Generation ein Tabu.
Vergessen von harten Fakten sowie Verdrãngen von Konkretem waren Be- Standteile einer Weiterlebens-Strategie und der Vergangenheitsbewältigung. Nach Hrennung und Verschleppung wa- ren häufig weder der tatsächliche Ort der Ermordung noch ein genauer Jo— des?Zeitpunkt bekannt. Offiziell galten diese Mord- oder Todesopfer als„ver- schollen“ oder„vermisst“.
In einigen Fällen machten gesetz liche Anforderungen es notwendig, ei- nen vermuteten Todeszeitpunkt fest?u- Stellen. Vielen Angehörigen war als Folge der deutschen Massenvernich- tung nicht nur kein Todesdatum be— kannt, sondern auch Geburtsdatum, Geburtsort und Namen der Groß— eltern oder Urgroßeltern waren völlig unbekannt. Nicht nur Dokumente fehlten, sondern vor allem die Men- schen, die darüber hätten Auskunft ge- ben kõönnen. In den letzten Jahren stieg die Zahl der verstorbenen„Holocaust- Uberlebenden“ stark an. Aktuell ster- ben allein in Israel etwa 50 Uberleben- de tãglich.
Nach diesem großen menschlichen


